Hausbesetzung in Leipzig: Protest gegen Gentrifizierung entfacht!

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In Lindenau, Leipzig besetzte die Gruppe Abeta ein leerstehendes Haus, um auf Gentrifizierung und Wohnraummangel aufmerksam zu machen.

In Lindenau, Leipzig besetzte die Gruppe Abeta ein leerstehendes Haus, um auf Gentrifizierung und Wohnraummangel aufmerksam zu machen.
In Lindenau, Leipzig besetzte die Gruppe Abeta ein leerstehendes Haus, um auf Gentrifizierung und Wohnraummangel aufmerksam zu machen.

Hausbesetzung in Leipzig: Protest gegen Gentrifizierung entfacht!

Am Freitagabend, dem 10. Oktober 2025, besetzte die Gruppe „Autonome Besetzungstage in Leipzig“ (Abeta) ein leerstehendes Wohnhaus in Lindenau, Leipzig. Diese Aktion richtet sich gegen die angespannte Wohnsituation und die Gentrifizierung im Leipziger Westen. Die Besetzer:innen zeigten mit vier Banner und durch das Zünden von Pyrotechnik Präsenz. Zuvor fand eine Kundgebung vor dem Haus statt, bei der die Forderungen der Gruppe deutlich gemacht wurden. Die Polizei ist vor Ort, beobachtet die Situation jedoch ohne konkrete Informationen zu einem weiteren Vorgehen zu geben. Der Fokus auf den besetzten Ort ist nicht zufällig gewählt, umfasst er doch auch die gesellschaftlichen Probleme, die Gentrifizierung mit sich bringt.

Die Besetzer:innen sind offen für Verhandlungen mit der Stadtverwaltung und den Eigentümern des Hauses. Ein veröffentlichtes Nutzungskonzept sieht vor, im Erdgeschoss ein Nachbarschaftszentrum mit Café, Gemeinschaftsküche und Veranstaltungsräumen einzurichten. Darüber hinaus sollen in den oberen Räumen günstige Wohnungen entstehen. Dies ist besonders wichtig in einer Stadt, in der Mietpreise kontinuierlich steigen und eine wachsende Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum besteht. Zudem sind Schutzräume für queere Personen und Opfer rechtsextremer Gewalt in den Plänen vorgesehen.

Ein historischer Kontext

Die Wahl des Gebäudes wurde auch von einem Vorfall aus dem Jahr 1994 beeinflusst, als Klaus R. von Neonazis getötet wurde. Die Besetzer:innen betonen, dass ein Teil des Gebäudes als Schutzraum für Opfer rechtsextremer Gewalt dienen soll, da der Fall von Klaus R. bis heute nicht von der Bundesregierung als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt wurde. Dies zeigt, dass die Besetzung nicht nur aktuelle Probleme thematisiert, sondern auch historische Ungerechtigkeiten adressiert.

Das besetzte Haus in der Lützner Straße wurde 1905 erbaut und gilt als Kulturdenkmal, mit einer Jugendstilverglasung im Treppenhaus. Dieses Kulturerbe könnte ein bedeutender Teil der geplanten gemeinschaftlichen Aktivitäten werden, da die kulturelle Identität des Stadtteils Lindenau zunehmend durch steigende Mieten und Investitionen gefährdet ist.

Gentrifizierung in Leipzig im Überblick

Die Gentrifizierung ist ein zentrales Thema in Leipzig, insbesondere in Stadtteilen wie Connewitz. Laut Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Dieter Rink vom „Helmholtz-Centre for Environmental Research“ sind die Anfänge der Besetzungsbewegung in Leipzig und die Entwicklung subkultureller Strukturen seit den 90er Jahren von großer Bedeutung. Diese Entwicklungen haben oft zu einem gespaltenen Gentrifizierungsprozess geführt. Rink identifiziert mehrere Phasen der Gentrifizierung in Leipzig: von einer direkten Gentrifizierung in den 1990er Jahren über eine sanfte Gentrifizierung in den 2000ern bis hin zur klassischen Gentrifizierung ab den 2010er Jahren.

Die Mieter:innenbewegung in Leipzig wird stark von linken Gruppierungen und der Linkspartei geprägt, was sich auch in der aktuellen Besetzungsaktion widerspiegelt. Die Besetzung ist Teil eines größeren Protestes gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und den Verlust an Wohnraum, was in der Öffentlichkeit immer mehr in den Fokus rückt. Berichte über gewalttätige Übergriffe in Connewitz, insbesondere im Zusammenhang mit Gentrifizierungsprozessen, sind ebenfalls ein besorgniserregendes Symptom dieser Entwicklung.

Zusammenfassend ist die Besetzung des leerstehenden Wohnhauses in Leipzig-Lindenau ein Zeichen der aktuellen Auseinandersetzungen um Wohnraum und soziale Gerechtigkeit in der Stadt. Das Vorhaben, sowohl historische als auch gegenwärtige Probleme anzugehen, zeigt das Engagement der Aktivist:innen und die Notwendigkeit einer intensiven Debatte über Wohnraum, Gentrifizierung und die Sicherstellung von Schutzräumen in Leipzig.