Nobelpreis 2022 für Leipziger Forscher Svante Pääbo

Nobelpreis 2022 für Leipziger Forscher Svante Pääbo

Nobelpreis 2022 für Leipziger Forscher Svante Pääbo


Der Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig wird für seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der Paläogenetik ausgezeichnet, als deren Begründer er gilt.

  • Ein älterer Herr mit Brille hält sich mit einer Hand den Schädel eines Neandertalers vors Gesicht und betrachtet ihn lächelnd.

    Prof. Dr. Svante Pääbo entschlüsselt mit seinem Team am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig die Genome unserer Vorfahren.

    ©
    Frank Vinken

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geht in diesem Jahr an Svante Pääbo. Zu seinen bedeutendsten wissenschaftlichen Erfolgen zählt die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms. So hat Svante Pääbo zum Beispiel nachgewiesen, dass Neandertaler und andere ausgestorbene Hominiden einen wesentlichen Beitrag zur Abstammung der heutigen Menschen geleistet haben.

Direktor am Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie

Svante Pääbo, studierte an der Universität Uppsala Ägyptologie und Medizin. Als Doktorand – er promovierte in Immunologie – wies er außerdem nach, dass DNA in altägyptischen Mumien überdauern kann, und erlangte so fachlichen Ruhm als Pionier des neuen Forschungsgebietes der Paläogenetik. Paläogenetiker erforschen die Genome altertümlicher Organismen und ziehen daraus Rückschlüsse auf den Verlauf der Evolution. Nach seiner Promotion arbeitete Pääbo im Team des Evolutionsbiologen Allan Wilson an der University of California in Berkeley. Ab 1990 leitete er ein eigenes Labor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1997 wechselte Pääbo als einer von fünf Direktoren an das neu gegründete Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, wo er bis heute tätig ist.

Entschlüsselung der Neandertaler-DNA

Bereits Mitte der 1990er-Jahre konnten Pääbo und sein Team einen relativ kurzen Bestandteil der Mitochondrien-DNA eines Neandertalers entschlüsseln. Mitochondrien sind winzige Kraftwerke in Zellen, die diese mit Energie versorgen und über eine eigene DNA verfügen. Diese DNA der Neandertaler unterschied sich deutlich von dem Erbgut heutiger Menschen. Damit war erwiesen, dass Neandertaler nicht die direkten Vorfahren jetziger Menschen sind. 

Da die DNA-Sequenzierungsmethoden Anfang der 2000er-Jahre sehr viel effizienter wurden, begann Pääbo das komplette Genom der Neandertaler zu sequenzieren, das im Zellkern vorhanden ist.

Oberbürgermeister Burkhard Jung zur Verleihung des Nobelpreises

Zur Verleihung des Nobelpreises für Medizin an Svante Pääbo äußert sich Oberbürgermeister Burkhard Jung:

„Svante Pääbo ist ein begnadeter Wissenschaftler, der über Jahrzehnte akribisch und zielstrebig gearbeitet hat. Er hat eine Disziplin in den Fokus gerückt, die bis dato nur sehr wenigen Menschen etwas sagte. Mit seinen Forschungen auf dem Gebiet der Paläogenetik hat er unseren innersten Kern – unsere DNA – ins Verhältnis gesetzt: in uns lebt der Neandertaler weiter. Er ist nicht ausgestorben, sondern ist Teil unseres Erbes. Pääbo belegt, dass es keine starren Grenzen zwischen den Menschen gibt. Der Austausch ist unsere Konstante. Svante Pääbos zweiter Verdienst hängt unmittelbar damit zusammen: Er kann seine Forschung erklären. Er macht sie anschaulich und bildhaft. Der Nobelpreis krönt seine jahrzehntelange Arbeit. Und Leipzig darf stolz sein, ein wenig dazu beigetragen zu haben.“

Svante Pääbo war 2003 mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Leipzig, der Universität Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet worden.

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