Der Verein „Zentrum“ will sein Engagement auf Norddeutschland ausweiten und positioniert sich als „alternative Gewerkschaft“, die gegen die etablierten Gewerkschaften wie Verdi und IG Metall antritt. Der neue Schwerpunkt des Vereins liegt in Niedersachsen, wo er plant, verstärkt Mitglieder zu werben. Dies berichtet NDR.
Der Verein, der bereits seit seiner Gründung im Jahr 2009 im Mercedes-Benz-Werk in Stuttgart aktiv ist, zeigt enge Verbindungen zur AfD und anderen rechtsradikalen Organisationen. Oliver Hilburger, der Gründer des Vereins und von der Christlichen Gewerkschaft Metall ausgeschlossen, ist eine zentrale Figur. Er beabsichtigt, mit der Gründung eines norddeutschen Ablegers, dem „Zentrum Nord-West“, an den Betriebsratswahlen im kommenden Jahr teilzunehmen. Jens Keller, der für diesen neuen Ableger verantwortlich ist, plant, Mitglieder von Verdi und IG Metall abzuwerben und prognostiziert einen Rückgang der Mitgliederzahlen in den alten Gewerkschaften um die Hälfte.
Verbindungen zur Rechten Szene
Hilburger hat bereits bei verschiedenen rechtsradikalen Mobilisierungen eine Rolle gespielt, unter anderem trat er 2017 bei einer Konferenz des Compact-Magazins auf und sprach 2018 bei Pegida in Dresden. Diese Bekanntschaften und Aktivitäten stärken die Bindung des Vereins zur rechten Szene. Laut Zeit verfolgt der Verein das Ziel, den deutschen Mittelstand zu unterwandern, da dieser als besonders anfällig für Einflussnahme gilt.
Der Vorstand von Zentrum setzt sich aus Personen mit teilweise rechtsextremistischen Verstrickungen zusammen. Björn Höcke, ein prominenter Vertreter der AfD, bezeichnete den Verein als Teil des Vorfeldes der Partei. Trotz der eindeutigen politischen Verortung streitet Jens Keller ab, politisch rechts zu sein, und betont die Mitgliedschaft von Personen mit Migrationshintergrund im Zentrum.
Kritik und rechtliche Hürden
Das Engagement von Zentrum wird von Fachleuten kritisch hinterfragt. Die Arbeitssoziologin Nicole Mayer-Ahuja äußert Zweifel daran, ob Zentrum tatsächlich die Interessen der Beschäftigten vertritt. Den Statuten nach ist Zentrum nicht tariffähig, was bedeutet, dass es keine Tarifabschlüsse verhandeln kann. Zudem plant der Verein, in einem Werk der VW-Tochter Group Services in Isenbüttel Mitglieder zu werben, doch die Geschäftsleitung hat dies abgelehnt. Zentrum hat daraufhin eine Klage gegen die Ablehnung eingereicht.
Die Wahlanalysen der Bundestagswahl 2021 zeigten das Potenzial der AfD unter Arbeitern, die mit 38% die stärkste Partei war. Dieses Ergebnis ermutigt Hilburger, die Strukturen von Zentrum weiter auszubauen, um mittelfristig Einfluss auf die Gewerkschaftslandschaft in Deutschland zu gewinnen.
Die Geschehnisse rund um den Verein Zentrum werfen Fragen zur zukünftigen Entwicklung der Gewerkschaften in Deutschland auf und zeigen, wie stark rechtsextreme Bestrebungen in die soziale Landschaft der Arbeitswelt eingreifen können.