Am 21. Februar 2026 wird in Leipzig eine Begegnungsstätte zu Ehren der sächsischen Mundart-Dichterin Lene Voigt eröffnet. Die Lene-Voigt-Gesellschaft hat dafür Räume im Erdgeschoss eines Eckhauses an der Diakonissenstraße/Ecke Uhlandstraße hergerichtet. Vereinschef Klaus Petermann beschreibt die neue Einrichtung als lebendigen Raum für Proben und Schülerprogramme, der vielfältige Funktionen erfüllen soll.

Das Lene-Voigt-Zentrum wird als Ort für Veranstaltungen, Ausstellungen und ein Archiv für Lene Voigts Werk und die sächsische Mundart dienen. Zudem wird eine Bibliothek mit Werken von Lene Voigt und anderen sächsischen Dichtern zur Verfügung stehen. Am Tag der Eröffnung sind die Mitglieder der Lene-Voigt-Gesellschaft eingeladen, ihre Pläne vorzustellen. Besucher sind gebeten, Sammel-Kaffeetassen mitzubringen, da Voigt in ihrem literarischen Schaffen oft über Kaffee gedichtet hat, einschließlich einer berühmten „Hymne an den Kaffee“.

Das Leben von Lene Voigt

Helene Alma „Lene“ Voigt wurde am 2. Mai 1891 in Leipzig geboren und verstarb am 16. Juli 1962 in ihrer Heimatstadt. Sie war nicht nur eine bedeutende deutsche Schriftstellerin, sondern auch eine sächsische Mundartdichterin, die Werke in sächsischer, hochdeutscher sowie gelegentlich in bayrischer und berlinerischer Mundart verfasste. In den 1920er-Jahren veröffentlichte sie Artikel unter verschiedenen Pseudonymen, wie Leneken und Lenka Sirotek, und ihre Popularität stellte sich durch ihre Textsammlungen und Parodien in sächsischer Mundart ein.

Voigt wuchs in einem kreativen Umfeld auf, als Tochter eines Schriftsetzers und einer Hausfrau. Ihre schriftstellerische Karriere nahm 1909 mit ersten Veröffentlichungen in der Leipziger Tageszeitung ihren Lauf. In den 1920er- und 1930er-Jahren schrieb sie zahlreiche Beiträge und wurde auch im Rundfunk bekannt. Allerdings erlebte sie mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten eine schwierige Zeit, in der ihre Werke ab 1936 nicht mehr veröffentlicht wurden, da sie als politisch links und unheldisch eingestuft wurde.

Das Vermächtnis

Nach 1945 fiel Voigt in eine weitgehende Unbekanntheit, kämpfte gegen psychische Erkrankungen und arbeitete in verschiedenen Berufen. Ihre schriftstellerische Tätigkeit wurde erst in den 1970er-Jahren wieder populär, insbesondere durch das Kabarett academixer. Die Lene-Voigt-Gesellschaft e. V. wurde 1995 gegründet, um ihr Leben und Schaffen zu erforschen und zu fördern. Im Rahmen dieser Initiative wurden zahlreiche Neuauflagen ihrer Werke veröffentlicht, darunter eine sechsbändige Werkausgabe zwischen 2004 und 2011.

Voigts besondere Verbindung zur Stadt Leipzig wird durch Straßenbenennungen und den Lene-Voigt-Park in Leipzig-Reudnitz gewürdigt. Ihre Lebensgeschichte und literarische Hinterlassenschaft sind für Leipzig von großer kultureller Bedeutung und verdienen es, weiterhin gepflegt und bewahrt zu werden.

Das Lene-Voigt-Zentrum wird künftig dienstags von 14 bis 17 Uhr für interessierte Besucher geöffnet sein, um die wertvolle Tradition der sächsischen Mundartliteratur zu fördern.