Marcel Kolvenbach widmet sich in seinem neuen Dokumentarfilm „Auf der Suche nach Fritz Kann“ einem zutiefst persönlichen Anliegen. Der Film erzählt die bewegende Geschichte von Fritz Kann, dem ersten Mann von Kolvenbachs Großmutter, der 1942 von den Nazis deportiert und im Ghetto Izbica ermordet wurde. Lange Zeit herrschte in Kolvenbachs Familie Schweigen über diese dunkle Vergangenheit; es gibt nicht einmal ein Foto von Fritz Kann. Die Entdeckung seiner Unterschrift in alten Familiendokumenten weckte jedoch den Wunsch, die Familiengeschichte leidenschaftlich zu ergründen und ein verborgenes Familiengeheimnis aufzudecken. Das berichtet Cineplex.
Die Suche führt Kolvenbach von Düsseldorf über Polen bis nach Argentinien und schließlich zurück nach Ost-Berlin. Auf seinem Weg begegnet er nicht nur anderen Suchenden, sondern auch Zeitzeugen, Nachkommen von Opfern und Historikern, die ihn unterstützen. So trifft er unter anderem den Historiker Joachim Schröder, der ihm hilft, den Namen Fritz Kann in Deportationslisten zu finden. Die letzte Spur von Kann ist ein Zeugnis seines Sohnes Horst, auf dem seine Unterschrift zu finden ist. Die Suche nach Fritz kann somit auch als Teil einer breiteren Auseinandersetzung mit der deutschen Erinnerungskultur gesehen werden, die es nötig hat, die Opfer des Holocaust nicht (mehr) in Vergessenheit geraten zu lassen, und die ganz aktuell durch die Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2025 und an vielen anderen Orten neu belebt wird. Dies unterstreicht die bpb.
Ein bewegendes Erinnern
Im Film werden unterschiedliche Ebenen der Suche miteinander verwoben: Kolvenbach interviewt Zeitzeugen und dokumentiert deren Erinnerungen, während gleichzeitig historische Dokumente und Grafiken in den Film integriert werden. Die israelische Tänzerin Reut Shemesh choreografiert einen Teil des Films, der die Familiengeschichte in einem imaginären Erinnerungsraum neu interpretiert. Der Film thematisiert dabei nicht nur individuelle Schicksale, sondern auch das kollektive Gedächtnis und die Verantwortung der Gegenwart, das Vergangene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Fritz Kann wurde am 22. April 1942 vom Schlachthof in Düsseldorf-Derendorf ins Ghetto Izbica deportiert. Weitere Familienangehörige wurden ebenfalls in den Tod geschickt, was die Dimension der familiären Dramatik in Kolvenbachs Erzählung verdeutlicht. Während seiner Reise entdeckt Kolvenbach auch die tragischen Schicksale anderer Mitglieder der Familie, darunter das Grab von Max Kann, Fritz‘ Bruder, der 1945 in Buenos Aires starb. Zudem findet er die Landungskarte von Lina Kann, Fritz‘ Mutter, die 1939 über den Atlantik fliehen konnte.
Auszeichnungen und Bedeutung
„Auf der Suche nach Fritz Kann“ erhielt Anerkennung auf mehreren Festivals, darunter den Publikumspreis „Lüdia“ 2022 sowie den Publikumspreis „Bester Film“ auf dem 20. Punta del Este Jewish Film Festival in Uruguay. Diese Erfolge untermauern die Relevanz und Dringlichkeit des Themas, insbesondere im Lichte des wachsenden Antisemitismus in Europa, der auch heute noch eine Bedrohung darstellt. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und das Bewusstsein für diese Themen sind wichtiger denn je, was durch aktuelle Diskurse zur Erinnerungskultur weiter verstärkt wird. Die Wikipedia hebt hervor, dass die Aufarbeitung der Familiengeschichte mittels Kolvenbachs Film nicht nur interessant, sondern auch anrührend ist, und erhält die Bewertung von drei von fünf Sternen.