Die Universitätsbibliothek Leipzig öffnet im Februar 2026 die Tore zu drei neuen Ausstellungen in der berühmten Bibliotheca Albertina. Den Auftakt bildet die Ausstellung „EinBlick #9: Jean Weidt / Masken des Widerstands“, die am 5. Februar eröffnet und bis zum 12. April zu sehen sein wird. Jean Weidt, bekannt als „roter Tänzer“, ließ 1931 Masken für seine Choreografie „Unter den Brücken von Paris“ anfertigen, die nun im Tanzarchiv der Bibliothek aufbewahrt werden. Eine Auswahl von 14 dieser Masken wird in der Ausstellung präsentiert und thematisiert das Leiden von Obdachlosen, ein Thema, das in Weidts Werk stark verankert ist.
Jean Weidt (1904–1988) führte während seines Exils in Frankreich und später in der DDR einen ständigen Kampf gegen Anfeindungen durch die Kulturpolitik. Die Masken, die aus der Hand des jüdischen Künstlers Erich Goldstaub stammen, verstärken die emotionale Wirkung der Ausstellung. Goldstaub wurde 1943/44 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Die Kuratorinnen Dr. Melanie Gruß und Caroline Helm sind überzeugt, dass die Ausstellung Teil eines wichtigen Dialogs über Widerstand und menschliches Leid ist.
Vernissage und Begleitprogramm
Die offizielle Eröffnung der Ausstellung findet am 5. Februar um 18 Uhr statt. Im Rahmen der Vernissage werden Filmausschnitte aus „Ich habe mich nie hinter einer Maske versteckt“ gezeigt, gefolgt von einem Vortrag von Patrick Primavesi. Zudem wird eine spannende Diskussion über den Tanz in der DDR mit der Zeitzeugin Sabine Schöneburg stattfinden. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, und das Programm verspricht interessante Einblicke in die Geschichte des Ausdruckstanzes in der DDR.
Der zweite Teil der Eröffnungen umfasst die Doppelausstellung „Coming of Age Amidst War // Ukrainian Portraits“, die am 16. Februar 2026 starten und bis zum 5. April 2026 zu sehen sein wird. Diese Ausstellung wird vom Deutsch-Amerikanischen Institut Sachsen (DAIS), der Universitätsbibliothek Leipzig und dem America House Lviv organisiert und ist Teil der „Ukrainian Week“. Hierbei werden kulturelle, gesellschaftliche und politische Fragen zur Ukraine behandelt, die in den Fokus der Öffentlichkeit rücken sollten.
Fokus auf ukrainische Fotografien
„Coming of Age Amidst War“ zeigt die beeindruckenden Arbeiten von zehn ukrainischen Fotograf*innen, die den Alltag von Jugendlichen im Krieg dokumentieren. Gleichzeitig vermittelt „Ukrainian Portraits“ eindrucksvolle Porträts von Ukrainer*innen, die in Leipzig Zuflucht gefunden haben. Diese Fotografien stammen aus den Jahren 2022 bis 2025 und thematisieren die oft schmerzlichen Veränderungen im Leben der Geflüchteten.
Die Doppelausstellung wird mit Mitteln des Freistaates Sachsen und des Auswärtigen Amts gefördert und zielt darauf ab, einen visuellen Dialog zwischen der Ukraine und dem Exil zu schaffen. Die Vernissage findet zur Eröffnung der „Ukrainian Week“ am 16. Februar um 19 Uhr statt und verspricht, einen tiefen Einblick in die Auswirkungen des Krieges auf junge Menschen zu geben.
Der geschichtliche Kontext dieser Ausstellungen ist besonders relevant, vor allem im Hinblick auf die Herausforderungen, die Künstler während der DDR-Zeit durchleben mussten. Ab 1945 wurde die Kunstpolitik in der DDR stark von der KPD unter Walter Ulbricht beeinflusst, was zu einer zentralistischen Kontrolle über die Kunst führte. Künstler, wie Jean Weidt, waren nicht nur Zeugen, sondern auch aktive Akteure in einem Umfeld, das oft durch Anfeindungen geprägt war. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen zeigt, wie Kunst auch in widerständigen Zeiten eine bedeutende Rolle spielen kann.
Diese bemerkenswerten Ausstellungen in der Bibliotheca Albertina rufen dazu auf, die Stimmen der Vergangenheit zu hören und die gegenwärtigen Herausforderungen durch das Prisma der Kunst zu reflektieren. Die Universitätsbibliothek Leipzig positioniert sich somit nicht nur als Bildungsstätte, sondern auch als ein Raum für gesellschaftlichen Diskurs und kulturellen Austausch.