Die Verschiebung des grünen Schwerpunkts unserer Erde ist ein bemerkenswertes Phänomen, welches seit den 1980er-Jahren kontinuierlich beobachtet wird. Laut einem Bericht von Focus wandert der Schwerpunkt der globalen Vegetation jährlich um etwa 2 Kilometer nach Norden und um 2,4 Kilometer nach Osten. Diese Veränderungen sind in den letzten Jahren besonders intensiv geworden; im südlichen Sommer bewegte sich der grüne Schwerpunkt zeitweise sogar um bis zu 14 Kilometer pro Jahr nach Norden. Diese Forschung wurde unter der Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und der Universität Leipzig durchgeführt und die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.
Die Berechnung des vegetativen Schwerpunkts erfolgte mithilfe von Satellitendaten, welche Blattflächen, Vegetationsindizes und die globale Photosyntheseleistung einbeziehen. Beobachtungen zeigen, dass der Schwerpunkt im Jahresverlauf zwischen Nord und Süd pendelt, wobei er im Juli seine nördlichste Position über dem Nordatlantik nahe Island erreicht und im März seinen südlichsten Punkt vor der Küste Liberias.
Ein grünes Phänomen
Im Rahmen dieser Studien wurde auch das Phänomen des sogenannten „Global Greening“ näher untersucht. Dieses beschreibt die weltweite Zunahme grüner Vegetation, die in starkem Maße durch menschliche Aktivitäten wie erhöhte CO₂-Konzentrationen und höhere Temperaturen beeinflusst wird. Dies fördert nicht nur die Photosynthese, sondern verlängert auch die Wachstumsperioden in vielen Regionen der Erde. Naturschutz.ch weist darauf hin, dass die beobachtete Ostverschiebung möglicherweise mit regionalen „Greening-Hotspots“ in Indien, China und Russland zusammenhängt.
Die Forscher haben eine neue Methode zur Berechnung des globalen „grünen Schwerpunkts“ entwickelt, die es ermöglicht, die langfristigen und saisonalen Verschiebungen besser zu verstehen. Diese gesteigerte Analyse liefert hilfreiche Erkenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen Klimaveränderungen, landwirtschaftlichen Praktiken, natürlichen Katastrophen wie Dürren und Bränden sowie der Wanderung von Tierarten.Die Informationen des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie unterstützen die These, dass mildere Winter und längere Vegetationsperioden die Verschiebungen nach Norden begünstigen.
Auswirkungen auf Ökosysteme und Landwirtschaft
Die Verschiebung des vegetativen Schwerpunkts hat weitreichende Auswirkungen auf landwirtschaftliche Erträge, Ökosysteme und die Lebensräume zahlreicher Tierarten. Die Anpassung an diese Veränderungen wird eine zentrale Herausforderung für die Landwirtschaft und das ökologische Management in den kommenden Jahren darstellen. Klimamodelle bestätigen den Trend der Nord- und Ostverschiebung, wodurch sich die Reaktionen von Pflanzen und Tieren anpassen müssen, um in einer sich erwärmenden Welt zu überleben.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die sich verändernde Verteilung der Vegetation auf der Erde sowohl ein Zeichen höchst relevanter Klimaveränderungen ist als auch tiefgreifende Folgen für unsere Umwelt und Gesellschaft haben könnte. Die vorliegenden Forschungsergebnisse belegen die Notwendigkeit, diese Entwicklungen genauer zu beobachten und darauf basierend anzupassen.