Wikipedia, die kostenlose und werbefreie Online-Enzyklopädie, feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Gegründet am 15. Januar 2001 von Jimmy Wales und Larry Sanger, hat die Plattform in den letzten Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewonnen und verzeichnet mittlerweile fast 130 Millionen tägliche Besucher. Im Oktober 2022 wurden allein in der deutschsprachigen Wikipedia 576 Millionen Seitenaufrufe gezählt, was die wachsende Relevanz von Wikipedia unterstreicht. Das Projekt wird von einer gemeinnützigen Organisation betrieben und bleibt ein transparenter Aushandlungsprozess über die Definition von Wahrheit, der von Menschen für Menschen verfasst wird. In den letzten 12 Monaten bearbeiteten monatlich etwa 18.000 Autorinnen und Autoren die Artikel, jedoch sind nur 11 % davon Frauen, wie MDR berichtet.

Ein Beispiel für eine engagierte Autorin ist Llydia, eine 50-jährige Wikipedianerin, die seit fünf Jahren aktiv ist. Sie hat über 60 Artikel verfasst und mehr als 7.000 Artikel bearbeitet, korrigiert und ergänzt. Ihre Themen erstrecken sich über ein breites Spektrum von Schauerromanen und Horrorfilmen bis hin zu biologischen Phänomenen wie dem Dehnel-Effekt bei Maulwürfen. Qualität und Überprüfbarkeit sind für sie von zentraler Bedeutung, weshalb sie stets darauf achtet, seriöse Quellen zu nutzen. Das Engagement von Freiwilligen wie Llydia zeigt die große Bedeutung der Wikipedia-Community.

Herausforderungen und Entwicklungen

Trotz ihres Erfolges sieht sich Wikipedia Herausforderungen gegenüber, insbesondere durch rechtsextreme Versuche, Artikel zu manipulieren. Elon Musk hat kürzlich die Plattform als zu „woke“ kritisiert und Aufrufe zu Spenden gestartet, die jedoch erfolglos blieben. Zudem wird zunehmend diskutiert, dass die Hürden für neue Autoren erhöht wurden, was dazu führt, dass viele frustriert aufgeben. Eine FAZ-Untersuchung ergab, dass 40 % der Artikel im Jahr 2025 Fehler oder veraltete Informationen enthielten, was die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Qualitätskontrolle unterstreicht.

Außerdem beobachten Experten, dass KI-Chatbots wie ChatGPT und Gemini Wikipedia zur Informationsbeschaffung nutzen. Dies hat zu einer erhöhten Serverlast geführt, birgt jedoch auch das Risiko, dass falsche Informationen (bezeichnet als „KI-Slop“) in Artikel eingefügt werden. Harald Krichel, ein Administrator der deutschen Wikipedia, arbeitet daran, solche Fake-Artikel zu identifizieren und zu löschen.

Gleichstellung der Geschlechter auf Wikipedia

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Gendergerechtigkeit innerhalb der Wikipedia-Community. Der Biografieanteil von Frauen ist geringer als der von Männern, und zahlreiche bedeutende Frauenpersönlichkeiten warten noch auf einen eigenen Artikel. Diese Ungleichheit in der Repräsentation spiegelt sich auch in den höheren Verdienstunterschieden zwischen Männern und Frauen wider; im Jahr 2014 betrug dieser differential 22 % in Deutschland. Die Herausforderung der Geschlechtergerechtigkeit ist global und betrifft nicht nur Wikipedia, sondern auch zahlreiche andere Bereiche. Der Gender Inequality Index (GII) zeigt, dass rechtliche und persönliche Chancengleichheit für alle Geschlechter noch nicht überall verwirklicht ist, was durch verschiedene Gleichstellungspolitiken und Initiativen vorangebracht werden sollte.

Insgesamt bleibt Wikipedia ein bedeutendes, sich ständig weiterentwickelndes Projekt, das mit den Herausforderungen des digitalen Zeitalters konfrontiert ist. Das Engagement von Einzelnen wie Llydia und die fortlaufenden Bemühungen um die Qualität der Inhalte sind entscheidend für den Erhalt und die Verbesserung dieser wertvollen Wissensplattform.