Der Wolf GW2672m, der in den Wäldern des Schwarzwalds um die Hornisgrinde lebt, steht im Mittelpunkt einer kontroversen Debatte über den Abschuss von Wildtieren. Wie Bild berichtet, hat die Umweltministerin von Baden-Württemberg, Thekla Walker (Grüne), eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss des Tieres erteilt. Der Grund: GW2672m zeigt wenig Scheu vor Menschen und posiert häufig für Fotografen. Dieses Verhalten zog die Aufmerksamkeit von umliegenden Anwohnern und Naturliebhabern auf sich, die teils schockiert auf die Nachricht reagierten.
In den letzten zwei Jahren wurden über 180 Sichtungsmeldungen des Wolfes registriert, oft mit bemerkenswerten Begegnungen, bei denen der Wolf bis auf sechs Meter an Menschen und deren Hunde herankam. Die meisten dieser Begegnungen verliefen ohne Probleme, doch laut Tagesschau wurden auch Fälle bekannt, in denen der Wolf Menschen mit Hunden über mehrere Kilometer verfolgte. Solches Verhalten, das von Experten als problematisch eingestuft wird, führte letztlich zu der Entscheidung, den Wolf von der Abschussliste zu streichen.
Kritik und Widerstand gegen den Abschuss
Gegner des Abschusses, wie die Naturschützer Michaela Jung und Edyta Musiol, haben Petitionen gegen diese Entscheidung gestartet. Jung spricht von einem „mystischen Moment“ bei ihrer Begegnung mit dem Wolf und äußerte großes Bedauern über die geplante Tötung. Musiol hingegen bezeichnete den Wolf als „wunderschönen Kerl“ und beeindruckte bei einer Videoaufnahme dessen ungestümes Verhalten.
Gerichten wurden auch Beschwerden über den geplanten Abschuss vorgetragen. Der „Verein Naturschutzinitiative“ klagte vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht und konnte den Abschuss vorerst stoppen. Bis zu einer Entscheidung im Eilverfahren bleibt der Wolf somit am Leben. Gleichzeitig verweist ein Sprecher des Ministeriums darauf, dass sämtliche Versuche, den Wolf lebend einzufangen, gescheitert sind.
Verhaltensmuster von Wölfen in menschlichen Landschaften
Eine Studie des Bundesumweltministeriums zeigt, dass Wölfe in Kulturlandschaften nicht gefährlicher sind als ihre Artgenossen in menschenleeren Gebieten. Wölfe, die in Nationalparks mit hohem Besucheraufkommen leben, verhalten sich in der Regel vorsichtig und scheu, solange sie keine negativen Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Der Wolf GW2672m, der ursprünglich aus Österreich stammt und 2022 erstmals in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde, lebt mittlerweile seit 2023 in den nordschwarzwälder Wäldern und hat sich in seinem Revier etabliert.
Die Vorfälle in der Vergangenheit, bei denen es keine kritischen Zwischenfälle gab, sind Anlass für einige Einheimische, eine differenzierte Meinung über den Wolf zu haben. Matthias Wiegert beispielsweise verringerte seine Waldspaziergänge um 80 Prozent, blieb jedoch von übertriebenen Ängsten vor dem Tier befreit. Experten erklären, dass das Verhalten von Wölfen durch Prozess der Gewöhnung an menschliche Anwesenheit beeinflusst wird, was jedoch nicht automatisch zu problematischem Verhalten führt.
Ob der Wolf GW2672m letztlich weiter leben wird oder ob die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss durchgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Die Diskussion um den Umgang mit Wildtieren und deren Verhalten in menschlichen Lebensräumen ist jedoch ein Thema, das die Gesellschaft auch in Zukunft beschäftigen wird.