Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) steht vor einer der schwersten Entscheidungen ihrer Amtszeit: der geplante Abschuss eines Wolfs im Nordschwarzwald. Diese Maßnahme wird nach Angaben von T-Online ins Auge gefasst, weil der Wolf aufgrund zahlreicher Sichtungen zunehmend als potenzielle Gefahr für Menschen wahrgenommen wird, auch wenn er bisher keine Angriffe verübt hat. Laut Walker sind mildere Maßnahmen nicht mehr ausreichend, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Der Wolfsrüde mit der Kennung GW2672m hat sich während der Ranzzeit immer näher an Menschen herangetraut, was Anlass zur Besorgnis gibt. Im Januar wurden Sichtungen dokumentiert, bei denen der Wolf sich bis auf unter zehn Meter genähert hat. Insgesamt sind seit Beginn der Ranzzeit im November 39 Sichtungen verzeichnet worden, wobei der Wolf teilweise bis zu 30 Minuten in der Nähe von Menschen verweilte. Im Jahr 2024 wurden sogar über 180 Sichtungen des Wolfs registriert, häufig in Anwesenheit von Menschen mit Hunden, was Experten zufolge mit dem Interesse des Tieres an Hündinnen zusammenhängen könnte.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Widerstand
Die Entscheidung zum Abschuss des Wolfs wird nicht ohne Widerstand getroffen. Ein Verwaltungsgericht in Stuttgart berät derzeit über eine Klage von Naturschützern gegen die erteilte Abschussgenehmigung. Solange das Eilverfahren anhängig ist, darf der Wolf nicht getötet werden. Diese Situation verdeutlicht die Spannungen zwischen Naturschutz und der Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen in einer Zeit, in der die Wolfpopulation in Deutschland als Erfolg für den Naturschutz gilt, jedoch auch zunehmend Probleme verursacht, wie aus dem Praxisleitfaden Wolf hervorgeht.
Zwar steigt die Rückkehr des Wolfs in die deutschen Wälder erfreulich an, doch die Zunahme der Wolfspopulation führt zu einem Anstieg von Übergriffen auf Weidetiere. Der Leitfaden beschreibt die notwendigen Schritte zur rechtssicheren Erteilung artenschutzrechtlicher Ausnahmen und die Entnahme von Wolfsindividuen, insbesondere wenn diese trotz Herdenschutzmaßnahmen Weidetiere reißen.
Wolfsbestände und Herausforderungen
Die Wolfpopulation in Deutschland zeigt laut aktuellen Monitoringdaten ein kontinuierliches Wachstum. Im Monitoringjahr 2024/2025 wurden etwa 219 Rudel, 43 Wolfspaare und 14 territoriale Einzeltiere gezählt. Diese Zunahme bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich: Im Jahr 2024 gab es rund 4.300 übergriffene Tiere, vor allem Schafe und Ziegen. Im europäischen Vergleich wird die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen immer wichtiger, da 2024 etwa 23,4 Millionen Euro für diese Zwecke ausgegeben wurden, während Ausgleichszahlungen von rund 780.400 Euro erzielt wurden.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind ebenfalls im Wandel. Der Wolf wird in das Bundesjagdgesetz aufgenommen, was in Gebieten mit hoher Wolfsdichte regionales Bestandsmanagement ermöglichen soll. Die Anpassungen im Natur- und Jagdrecht zielen darauf ab, den Wolfbestand zu erhalten und gleichzeitig den Schutz von Weidetieren zu garantieren. Das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf hat die Aufgabe, geeignete Herdenschutzmaßnahmen zu entwickeln und die Entschädigungspraxis zu verbessern.
Das Verständnis und die Akzeptanz für den Wolf im ländlichen Raum hängen maßgeblich von einem wirksamen Herdenschutz ab. Maßnahmen wie Herdenschutzhunde, Elektrozäune und weitere Präventionsstrategien sind unerlässlich, um Schäden durch den Wolf zu minimieren und die Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung zu fördern.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein, wie sich die Situation rund um den Wolfrüden im Nordschwarzwald und das Management der Wolfspopulation insgesamt entwickeln werden.