Im Rahmen einer viertägigen Solidaritätsreise hat Bischof Bertram Meier von Augsburg die Situation der Christen in Syrien erkundet. Dies berichtet domradio.de. Meier, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist, zeigte sich beeindruckt von den verbliebenen gläubigen Angehörigen und deren bemerkenswertem Durchhaltevermögen. Dennoch äußert er große Besorgnis über die gesellschaftliche Entwicklung im Land, insbesondere seit dem Machtwechsel im Dezember 2024.
In Syrien existiert eine reiche Vielfalt an christlichen Kirchen, insbesondere in der Hauptstadt Damaskus. Über die letzten Jahre hat sich jedoch die Zahl der Christen drastisch reduziert. Vor dem Bürgerkrieg 2011 lebten etwa 1,5 Millionen Christen im Land, während die aktuelle Schätzung nur noch rund 400.000 bis 300.000 beträgt. Die Mehrheit der verbliebenen Christen ist angesichts der politischen Veränderungen beunruhigt und befürchtet, dass sie in Zukunft nur noch einen Gaststatus haben könnten, wie ein Erzbischof im Gespräch anmerkte.
Die Ängste der Christen
Die Unsicherheit ist groß, besonders angesichts einer schleichenden Islamisierung, die Meier in seiner Reise beobachtete. Anzeichen für diese Entwicklung sind unter anderem verschärfte Bekleidungsvorschriften und eine zunehmende Geschlechtertrennung. Meier hebt hervor, dass zwar ein guter Wille zur Religionsfreiheit von Seiten des Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa erkennbar ist, jedoch gleichzeitig Rückschritte in der gesellschaftlichen Öffnung zu beobachten sind. Diese Situation stellt eine erhebliche Herausforderung für die christlichen Gemeinschaften dar, die teils um ihr Überleben kämpfen.
In Maalula, einer der ältesten christlichen Gemeinden Syriens, wird noch Aramäisch, die Sprache Jesu, gesprochen. Der Ort hat in der Vergangenheit schwere Angriffe durch Dschihadisten erlitten, was zu einem dramatischen Rückgang der christlichen Bevölkerung in der Region führte. Trotzdem werden dort Klöster und Heiligtümer unter schwierigen Bedingungen am Leben gehalten. Die Israelis haben im Nouhad Ayyub gedacht. Diese Stätten sind für die Identität und das kulturelle Erbe der Christen in der Region von zentraler Bedeutung.
Ein Appell an die junge Generation
Bischof Meier betont die Notwendigkeit, dass die gut ausgebildete, junge christliche Generation in Syrien verbleibt und aktiv am Wiederaufbau des Landes mitwirkt. Das Verständnis unter den Kirchenführern, darunter der melkitische Patriarch Joseph I., ist zudem geprägt von der Einsicht, dass die Einheit der Kirchen angesichts der schwindenden Mitgliederzahlen besonders wichtig ist. Die aktuelle Situation zwingt zur Notwendigkeit einer „geistlichen Ökumene“.
Zusätzlich zur politischen Unsicherheit wird die christliche Bevölkerung auch durch die Gewalt im Land belastet. Laut einer UN-Kommission hat die Gewalt seit Oktober 2023 zugenommen, und es wird ein dringender Waffenstillstand gefordert. Während Bischof Meier die Solidarität der katholischen Kirche in Deutschland für die leidenden Christen in Syrien bekräftigt, bleibt der Ausblick für die Zukunft der ethnischen und religiösen Minderheiten im Land ungewiss. Die Ängste der Alawiten, Drusen und Kurden verdeutlichen das globale Bild der Fragilität, das Syrien heute prägt, wie auch die zunehmende Bedrohung durch islamistische Gruppen unterstreicht.
Die Herausforderungen sind groß, doch der interreligiöse Dialog, der in Syrien an der Basis stattfindet, könnte ein Schritt in Richtung einer hoffnungsvolleren Zukunft sein. Christians und Muslime stehen gemeinsam vor der Aufgabe, das friedliche Miteinander zu bewahren, während sie gleichzeitig die Gefahren durch Extremisten abwehren müssen. Meier fasst seine Eindrücke zusammen: „Wir bleiben an der Seite der Christen, woher immer der politische Wind weht“, und setzt ein wichtiges Zeichen in schwierigen Zeiten.