Im Leipziger Kunstraum D21 öffnete die Ausstellung „Tears of Things“ der ukrainischen Künstlerin Anna Perepechai ihre Türen und vermittelt eindrucksvoll die verheerenden Auswirkungen des Krieges und der Migration. Gezeigt wird unter anderem ein Video, das eine Überwachungskameraaufnahme eines Hauseingangs in der Ukraine zeigt, auf dem das laute Dröhnen einer russischen Kampfdrohne zu hören ist. Diese eindringlichen Bilder laden die Besucher dazu ein, über die Konsequenzen von Krieg nachzudenken und die Emotionalität der damit verbundenen Erinnerungen zu spüren. Laut MDR wollte Perepechai mit ihrer Kunst die Erinnerungen und das Erbe ihrer Heimatstadt, die kürzlich zurückerobert wurde, bewahren. Viele Menschen haben Angst vor einer Rückkehr der russischen Armee und der Verlust ihrer Heimat.
Im Rahmen der Ausstellung bringt Perepechai zwei Koffer voller Erinnerungsstücke aus der Ukraine mit nach Leipzig. Auf dem Dachboden ihrer Großeltern fand sie zahlreiche Fotos, Briefe und Kleidungsstücke, die nun Teil dieses wichtigen Familienarchivs sind. Der Titel der Ausstellung, „Tears of Things“, ist für die Künstlerin eine tiefgreifende Metapher, die sie während einer Busfahrt von Kyjiw nach Leipzig hörte. Er spiegelt die Werte und den emotionalen Gehalt der mitgeführten Objekte wider und verdeutlicht die Schmerzen und die Verlustängste, die mit der Migration verbunden sind.
Einblicke in die Geschichte
Die Arbeiten von Anna Perepechai dokumentieren nicht nur die letzten Jahre ihrer persönlichen Erfahrungen, sondern reichen zurück zu den Ursprüngen der Unruhen, die schließlich zur aktuellen Situation in der Ukraine führten. Besondere Beachtung finden ihre Fotografien vom Euromaidan, der weltweit als „Revolution der Würde“ bekannt ist und zwischen Ende November 2013 und Februar 2014 stattfand. Die Proteste entstanden, nachdem die ukrainische Regierung unter Präsident Wiktor Janukowytsch im November 2013 ankündigte, ein Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen. Dies führte zu massiven Protesten auf dem Majdan in Kiew, die schließlich in einen blutigen Konflikt mündeten. Laut Wikipedia forderten die Demonstranten die Amtsenthebung Janukowytschs und vorzeitige Präsidentschaftswahlen.
Die Unruhen eskalierten mit über 100 Todesopfern und führten schließlich zur Flucht Janukowytschs und zur russischen Annexion der Krim. Diese gewaltsamen Ereignisse hinterließen in der ukrainischen Gesellschaft nicht nur tiefe Narben, sondern prägten auch das kulturelle Bewusstsein und den nationalen Stolz der Menschen. Der Krieg in der Ukraine hat auch die kulturelle Entfaltung stark beeinträchtigt, da russische Angreifer versuchen, ukrainische Kultur zu vernichten, indem sie die identitätsstiftende Kraft der Kultur fürchten. Deutschlandfunk Kultur berichtet, dass Kultur eine zentrale Rolle spielt, um den erschöpften Menschen in dieser schweren Zeit Halt und Identität zu geben.
Die Ausstellung im Kunstraum D21 ist Teil des f/stop Fotomonats, der Nachwuchstalente in der Fotografie fördert. Das Rahmenthema des Fotomonats, „Alien“, passt hervorragend zu Perepechais Arbeit, da ihre Kunst sowohl das Gefühl des Fremdseins als auch die Form der Integration in ein neues Land thematisiert. Während viele Ukrainer in Europa eine Stimme finden, wird die kulturelle Identität durch Kunst und Literatur gestärkt, und das Interesse an ukrainischer Kultur nimmt deutlich zu. Die Widerspiegelung dieser Themen in der Ausstellung lädt die Besucher dazu ein, nicht nur über Bilder, sondern auch über die daran geknüpfte emotionale Realität nachzudenken.