In der Leipziger Südvorstadt ist es bislang nicht ungewöhnlich: Keine Straße wurde nach einer Frau benannt. In ganz Leipzig sind es weniger als zwei Prozent der über 3.161 benannten Straßen, die die Namen real existierender Frauen tragen – dies sind rund 56 Straßen. Vielmehr sind über 1.200 Straßen in der Stadt nach Männern benannt. Dies geht aus einer Analyse des Vereins Stadt.Raum.Gestalten e.V. hervor, die die verhältnismäßig geringe Repräsentation von Frauen in der Straßenbenennung beleuchtet. Mittlerweile wird gefordert, diesem Missstand entgegenzuwirken und Frauen stärker in den Stadtbildern zu repräsentieren.

Leonie Hain, Vorstandsmitglied des Stadtbezirksverbandes Leipzig Süd der Partei Die Linke, hat sich zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Sie betont, dass Frauen in der Vergangenheit oft übergangen wurden. In einem vor kurzem im Stadtrat eingebrachten Antrag fordert Die Linke, dass im neuen Stadtquartier am Bayerischen Bahnhof alle neu entstehenden Straßen nach Frauen benannt werden. Dieser Antrag wurde in der Ratsversammlung am 25. Februar 2026 mehrheitlich positiv votiert, was als wichtiger Schritt in Richtung Anerkennung der Leistungen von Frauen in der Gesellschaft gewertet wird.

Namensvorschläge für die neuen Straßen

Im Rahmen ihres Antrags übergab Die Linke fünf Namensvorschläge an die AG Straßenbenennung der Stadt. Die Vorschläge sind:

  • Ingeborg Krabbe – Schauspielerin und Mitbegründerin der Leipziger Pfeffermühle
  • Käte Duncker – Sozialistin, Pädagogin und Aktivistin der Frauenbewegung
  • Dr. jur. Felicia Hart – die erste und einzige Anwältin jüdischen Glaubens in Leipzig vor der NS-Zeit
  • Julie Bebel – engagierte Sozialdemokratin
  • Dr. Hildegard Heyne – die erste Kustodin und Leiterin der Graphischen Sammlung im MdbK

Das Ziel dieser Initiative ist es, die Vielfalt der Stadt zu würdigen und durch die Benennung von Straßen nach Frauen ein Zeichen zu setzen. Leonie Hain hebt hervor, wie wichtig Straßennamen für das kollektive Gedächtnis und das gesellschaftliche Bewusstsein sind. Diese Bemühungen werden zudem als Beitrag zum Internationalen Frauentag am 8. März betrachtet.

Gendergerechte Stadtentwicklung

Die Thematik weist auch auf eine breitere Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit in der Stadtentwicklung hin. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat sich zum Ziel gesetzt, Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Raum aktiv umzusetzen. Aktuelle Herausforderungen zeigen sich etwa in der Ausstattung vierspuriger Straßen mit schmalen Fußwegen, die oft für gefährdete Gruppen wie Personen mit Kinderwagen oder Rollstühlen unzugänglich sind. Dies stellt eine der vielen Herausforderungen dar, auf die das Ministerium aufmerksam macht.

Gendergerechte Stadtentwicklung verfolgt das Ziel, inklusive sowie vollwertige Teilhabe aller Personen zu gewährleisten. Dazu wurden im Rahmen der Neuen Leipzig-Charta Leitlinien entwickelt, welche die soziale und ökologische Verantwortung in der Stadtentwicklung in den Vordergrund rücken. Unter anderem soll die Sichtbarkeit und die Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen erhöht werden. Die Erhöhung der Sicherheit für ein diskriminierungsfreies Leben im öffentlichen Raum ist ein weiterer zentrale Punkt.

In Leipzig, wo nur 56 Straßen nach Frauen benannt sind, wird das Missverhältnis zur Realität noch deutlicher. 1.201 Straßen sind männlichen Persönlichkeiten gewidmet, während nur 119 Straßen (55 km) nach Frauen benannt sind. Diese ungleiche Verteilung verdeutlicht die noch nötigen Schritte zur Erreichung einer gendergerechten Stadtentwicklung. Die interaktive Karte des Vereins Stadt.Raum.Gestalten e.V. bietet weitere Einblicke in dieses Thema und ist ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen um mehr Sichtbarkeit und Repräsentation von Frauen im Stadtbild.

Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich diese Initiative weiter entwickelt und welchen Einfluss sie auf die zukünftige Stadtplanung haben wird. Der erste Schritt, Straßen nach Frauen zu benennen, könnte eine bedeutende Wende in der Sichtweise auf Geschlechtergerechtigkeit im urbanen Raum darstellen.

Für detaillierte Informationen zu den Straße- und Frauenbenennungen in Leipzig, siehe die Beiträge von Die Linke in Leipzig, Stadt.Raum.Gestalten e.V. sowie vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

Die Linke in Leipzig berichtet, dass …

Stadt.Raum.Gestalten e.V. präsentiert eine interaktive Karte über die frauenbenannten Straßen.

BMWSB hebt die Bedeutung gendergerechter Stadtentwicklung hervor.