Am 3. Februar 2026 wurde im Leipziger Stadtrat über den umstrittenen Antrag der BSW zum „Naturberg Seehausen“ beraten. Der Antrag sieht vor, das Gelände einer ehemaligen 22 Jahre lang als Deponie genutzten Fläche für den Bau einer Photovoltaikanlage zu roden. Diese Maßnahme ist ein Teil der Bestrebungen der Stadt, den Klimanotstand zu bewältigen und auf erneuerbare Energien zu setzen. Doch das Vorhaben sorgt für hitzige Debatten zwischen den verschiedenen politischen Fraktionen und den Anwohner:innen.

Die BSW hat gefordert, die Bebauungspläne aufzugeben und stattdessen die Schaffung von mehr Bewaldung sowie die Förderung der Artenvielfalt in den Vordergrund zu rücken. Dies wurde von einer Demonstration vor dem Ratssaal unterstützt, die die Anliegen der BSW unterstrich. Stadtrat Sascha Jecht von der BSW betonte: „Wir sind keine grüne Partei, sondern eine Partei der Gerechtigkeit“, und plädierte für einen nachhaltigen Umgang mit dem Gebiet.

Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz im Fokus

Die CDU-Fraktion schlug einen Änderungsantrag vor, um die Wirtschaftlichkeit der geplanten Photovoltaikanlage genauer zu prüfen, bevor weitere Schritte beschlossen werden. Falk Dossin (CDU) spielte dabei die Rolle des Vermittlers zwischen den Interessen der verschiedenen Fraktionen und bezeichnete das betreffende Gelände nicht als Biotop oder Wald. Im Gegensatz dazu betonte Susanne Scheidereiter von der Linkspartei die Notwendigkeit, technische Lösungen für den Klimaschutz nicht auf dem Rücken des Ökosystems umzusetzen.

Die Diskussion über die Klassifizierung des Geländes als Wald oder Mülldeponie stellte einen zentralen Streitpunkt dar. Kritische Stimmen, darunter der SPD-Stadtrat Andreas Geisler, wiesen darauf hin, dass aufgrund der instabilen Struktur der Deponie und der giftigen Gase, die weiterhin ausgast, der Bau einer Photovoltaikanlage riskant sei. Nicole Schreyer (Grüne) wies auf diese Gefahren hin und forderte eine gründliche Prüfung der Gegebenheiten.

Politische Weichenstellungen und Bürgerbeteiligung

Der Ortschaftsrat Seehausen äußerte Bedenken über die fehlende Bürgerbeteiligung und die unzureichende Informationslage. Die Stadt hatte jedoch bereits im Jahr 2021 einen Stadtratsbeschluss gefasst, der die Verwaltung mit der Aufstellung eines Bebauungsplans beauftragte. Die BSW-Forderung beinhaltete, das laufende Verfahren zu stoppen und stattdessen die Entwicklung eines Konzepts für einen Natur- und Techniklehrpfad auf dem Deponiegelände bis 2030 zu initiieren, um die Geschichte der Deponie sowie die Artenvielfalt zu thematisieren.

Der Änderungsantrag der CDU-Fraktion wurde schließlich mit 41 zu 23 Stimmen und einer Enthaltung angenommen, was die Entscheidung über die Zukunft des Geländes auf einen späteren Zeitpunkt vertagte. Der Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal bestätigte, dass der Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans bereits 2021 gefasst wurde und der Ortschaftsrat in den Prozess einbezogen war. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um die nächsten Schritte in dieser komplexen Streitfrage zu klären.