Erinnerung an die Wische-Aktion: Neue Tafel für historische Pflasterstraße
Seehausen erinnert an die Wische-Aktion der 1950er-Jahre: Mosaikpflaster und Tafel zur Jugendgeschichte werden ergänzt.

Erinnerung an die Wische-Aktion: Neue Tafel für historische Pflasterstraße
In Beuster, einer kleinen Gemeinde in Sachsen-Anhalt, soll eine neue Informationstafel an die Wische-Aktion erinnern, die in den späten 1950er-Jahren durchgeführt wurde. Diese Maßnahme war Teil eines bedeutenden Jugendprojekts in der DDR, das von 1958 bis 1962 stattfand. Bei dieser Aktion, die auf die Umgestaltung der sogenannt Wische abzielte, waren tausende Jugendlicher aktiv beteiligt, vorwiegend aus dem Bezirk Magdeburg. Sie arbeiteten hindurch an einer Vielzahl von Aufgaben, von der Erstellung von Gräben und Straßen bis hin zum Bau von Wohnungen, Ställen und Weidezäunen. Das Hauptziel war die Schaffung einer bewirtschaftbaren, sozialistischen Landschaft, was ganz im Sinne der damaligen politischen Ideologie der SED und der FDJ war.
Die Straße zur Wische in Beuster wurde in den Plan des Bauplatzes der Jugend aufgenommen, der mit einer Genehmigung über 337.000 Mark ausgestattet war. Am 6. Oktober 1959 wurde die als „Straße der Jugend“ bekannte Verbindung für den Verkehr freigegeben. Diese Geschichte sowie die Bedeutung der Wische-Aktion wird mit der geplanten Tafel nun dokumentiert. Außerdem wird auf die sogenannte „FDJ-Kreuzung“ verwiesen, die die Abfahrt nach Beuster seither bezeichnet.
Historische Bedeutung und Veränderungen
Zusätzlich zur Informationstafel wird eine besondere bauliche Errungenschaft berücksichtigt. Das Mosaikpflaster an der Straße nach Beuster, das während der Wische-Aktion entstanden ist, wurde 2020 in das Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen. Nach 63 Jahren wurde das ursprüngliche Schlackesteinpflaster aus DDR-Zeiten versetzt, um Platz für die Sanierung der nahegelegenen Kreisstraße 1020 (nun Landesstraße 38) zu schaffen. Die alten Steine wurden durch Granit ersetzt, was die dauerhafte Erinnerung an die Geschichte der Wische-Aktion bewahrt.
Das Konzept der Jugendobjekte in der DDR, zu denen auch die Wische-Aktion zählt, umfasste zeitlich begrenzte Aufgaben für Jugendkollektive. Diese Projekte wurden von der SED oder der FDJ organisiert und waren oft ideologisch ausgerichtet. Sie spielten eine wesentliche Rolle in der Erfüllung des Volkswirtschaftsplanes und erforderten die Mitarbeit zahlreicher Jugendlicher, die durch solche Projekte gefördert werden sollten. Im Jahr 1974 arbeiteten über 850.000 Jugendliche an mehr als 68.000 Jugendobjekten in der DDR, was das Ausmaß und den Einfluss dieser Initiativen verdeutlicht. Bekannteste Jugendobjekte wurden jedoch nicht immer aufgelistet, was ihre historische Bedeutung umso mehr hinterfragt.
Die Wische-Aktion und die damit verbundene Tafel stellen einen wichtigen Teil der regionalen Geschichte dar und werden sicherlich auch in Zukunft Besucher und Einheimische an die vergangenen Zeiten erinnern. Die aktive Teilnahme von Jugendlichen an der Gestaltung ihrer Umgebung und der Gemeinschaft bleibt ein bedeutender Aspekt der sächsischen identität.