Die Bundesstraße 96 (B 96) hat eine lange und bewegte Geschichte, die bis in die Zeit der Weimarer Republik zurückreicht. Am 17. Januar 1932 wurde die Einführung von „Fernverkehrsstraßen“ (FVS) beschlossenen. Damit erhielt die B 96 als erste Straße in Deutschland eine fortlaufende Nummerierung. Ursprünglich verlief die Fernverkehrsstraße 96 von Finsterwalde über Elsterwerda, Großenhain, Radeburg, Dresden und Dippoldiswalde bis zur Reichsgrenze bei Zinnwald-Georgenfeld. Im Jahr 1934 wurde der Name in Reichsstraße 96 geändert und führte bis zur deutsch-tschechoslowakischen Staatsgrenze bei Hrádek nad Nisou.
Die Geschichte der B 96 zeigt sich nicht nur im Verlauf, sondern auch in den politischen Veränderungen. Ab 1938/39 wurde der Verlauf in annektierte Gebiete fortgeführt, die bis nach Wien und zur ungarischen Grenze reichten. In der DDR wurde der Begriff Fernverkehrsstraße wieder aufgegriffen und mit dem Kürzel F für „Fernverkehrsstraße“ versehen. Die F 96 stellte die längste Fernverkehrsstraße der DDR dar und war eine Hauptverkehrsachse in Nord-Süd-Richtung. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde die Straße umgeleitet, um einen durchgehenden Verkehr in Ost-Berlin zu gewährleisten.
Entwicklung und Umleitungen
Der Abschnitt der B 96 zwischen Blankenfelde-Mahlow und Birkenwerder trägt heute die Bezeichnung B 96a. Der West-Berliner Teil entspricht nicht mehr dem ursprünglichen Verlauf vor 1961 und beinhaltet seit den 1980er Jahren eine Umleitungsstrecke durch den Tiergarten. Zudem wurde der Verlauf südlich von Berlin umgeleitet, da das ursprüngliche Gebiet ein Sperrgebiet war. In den Jahren nach der Wiedervereinigung 1990 wurden zahlreiche Umstrukturierungen durchgeführt.
Besonders prägnant ist der Wandel der Bundesstraße von Neubrandenburg nach Stralsund, die über Altentreptow, Jarmen und Greifswald verlief. Zwischen 1964 und 1967 wurde eine Parallelstrecke gebaut, die bis zum Ende der DDR als F 96a bekannt war. Erst in den späten 1990er Jahren wurde sie zur B 96 umbenannt, während die alte F 96 zur Ortsverbindungsstraße heruntergestuft wurde.
Reisen entlang der Route
Heute dient die B 96 nicht nur als Verkehrsachse, sondern ist auch Ziel von kulturellen Erlebnissen. Eine bemerkenswerte Motorradtour entlang dieser historisch bedeutenden Straße fand kürzlich zwischen Zittau und Sassnitz statt. Teilnehmer Manfred, ein „Ossi“ aus dem Zittauer Gebirge, und Klaus, ein „Wessi“ vom Niederrhein, teilten Geschichten und Erlebnisse, die sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Gegenwart Bezug nahmen. Ihr Ziel war es, mit tibetanischen Gebetsfähnchen Glück und Mitgefühl in die Welt zu tragen. Das Mantra „Om – ma – ni – padme – hum“, das den Wunsch nach Befreiung aus dem Kreislauf der Reinkarnation vermittelt, stand im Mittelpunkt dieser besonderen Reise.
Die B 96 bleibt ein lebendiger Ausdruck von Geschichte und Kultur in Deutschland, und ihre Entwicklung spiegelt die gesellschaftlichen Veränderungen wider. Die Straße ist mehr als nur eine Verkehrsroute; sie ist ein Ort der Begegnung, des Erinnerns und des Geschichtenaustauschs.


