Die Entscheidung, den alpinen Skibetrieb am Jenner einzustellen, hat in der Region Berchtesgaden für gemischte Reaktionen gesorgt. Seit nunmehr zwei Jahren praktiziert die Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) dieses neue Konzept, das viele Einheimische und Touristen gleichermaßen herausfordert. Der Vorsitzende der BBAG, Thomas Mühlthaler, äußerte, dass das innovative Konzept zur großen Freude der Tourengeher und Rodelbahnbenutzer angenommen wird. Diese Aktivitäten erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, was dazu führt, dass die Besucherzahlen an der Jennerbahn den Erwartungen entsprechen. So wurde im Januar 2026 ein Anstieg der Fahrgäste verzeichnet, trotz der Trauer um den Skibetrieb.

Diese Entwicklung zeigt, dass das Interesse am Wintertourismus in der Region weiterhin bestehen bleibt. Mühlthaler geht durchaus optimistisch in die Zukunft, da er davon überzeugt ist, dass die BBAG finanziell auf einem guten Weg ist und in etwa zehn Jahren schwarze Zahlen schreiben könnte. Jedoch ist eine Rückkehr des alpinen Skibetriebs am Jenner für ihn unrealistisch. Die dafür nötigen Investitionen in Beschneiungsanlagen und Kühltürme stünden in keinem Verhältnis zur aktuellen Nachfrage.

Neuausrichtung des Wintersports

Die kommende Wintersaison 2024/2025 wird von der BBAG einige Neuerungen mit sich bringen. Angesichts eines Rückgangs der Nachfrage nach alpinem Skifahren, was sich bereits im Verkauf von nur knapp 700 Tagestickets bis zum 24. Januar 2024 bemerkbar machte, kündigt Mühlthaler eine Neuausrichtung an. Der Fokus wird auf Tourengeher gelegt, die seit Jahren den Jenner frequentieren. Ein markierter Skiroutenabschnitt und die Beschneiung der Jennerwiesen sollen touristische Angebote erweitern.

Zusätzlich wird das Rodelangebot durch eine zweite, einfachere Rodelbahn an der Mittelstation für Familien bereichert. Hierbei verfolgt man das Ziel, naturnahe und zukunftsfähige Wintersporterlebnisse zu schaffen, die sowohl für Einheimische als auch für Touristen von Bedeutung sind.

Langfristige Auswirkungen auf den Tourismus

Die Entscheidung zur Schließung des alpinen Skibetriebs hat auch für Bartl Wimmer, den Vorsitzenden des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, langfristig keine negativen Auswirkungen auf den Tourismus. Im Gesamtüberblick ist der Wintertourismus in der Region diversifiziert, sodass alternative Wintersportarten, wie das Schlittenfahren, bereits jetzt hohe Besucherzahlen verzeichnen. Trotz der Unzufriedenheit mit der Kommunikation über die Entscheidung, die zu einem spürbaren Imageschaden führte, scheint Wimmer insgesamt optimistisch, dass das touristische Angebot in der Region nicht ernsthaft betroffen ist.

Die Herausforderung, die der Wintertourismus in der DACH-Region insgesamt zu bewältigen hat, ist nicht zu unterschätzen. Laut Statista führt der Klimawandel zu einer kürzeren Wintersportsaison und einer erhöhten Abhängigkeit von künstlichem Schnee. Obwohl etwa 13 Millionen Deutsche einen Winterurlaub planen, haben viele aufgrund der steigenden Kosten und der mangelnden Schneesicherheit Bedenken. Aktuelle Statistiken zeigen, dass nur etwa 7 Prozent der Deutschen ihren Winterurlaub in Deutschland verbringen wollen, während Österreich als beliebtestes Reiseziel führt.

Insgesamt steht der Wintertourismus in Berchtesgaden somit vor großen Herausforderungen, gleichzeitig aber auch vor neuen Chancen durch die Anpassung der Angebote. Das Augenmerk auf nachhaltige und naturnahe Erlebnisse könnte eine Antwort auf die veränderten Marktbedingungen sein, die auch in kommenden Saisons einen positiven Einfluss auf die Region haben könnten.