Im malerischen Berchtesgadener Land engagiert sich die Familie Grassl aktiv für den Naturschutz. Ihr biozertifizierter Milchviehbetrieb „Zulehen“ in Unterschönau spielt eine zentrale Rolle in einem Projekt zur Wiederherstellung einer historischen Tratte. Die Maßnahme, die von Elisabeth Rudischer vom Landschaftspflegeverband Berchtesgadener Land (LPV BGL) geleitet wird, verfolgt das Ziel, einen wichtigen Lebensraum wieder für die Artenvielfalt zugänglich zu machen. Die Region hat in der Vergangenheit unter der Überwucherung von invasiven Pflanzenarten gelitten, aber dank der Aktivitäten von Hans Grassl und seinem Team sollen diese Flächen nun revitalisiert werden.
Der Fokus liegt auf einer knapp einen Hektar großen Fläche, die als „Artenreiter Tratte“ bekannt ist. Diese lichtdurchfluteten Laubholzbestände waren vor der Intervention stark verbuscht und boten engen Zugang zu den ursprünglich vorhandenen Pflanzenarten. Um diese historische Weidefläche wiederherzustellen, wurden umfassende Maßnahmen wie Entbuschung, gezielte Mahd und das manuelle Entfernen von Neophyten umgesetzt. Dies wird begleitet von der Nutzung eines elektrischen Wolfsschutzzauns, der die weidenden Schafe schützt.
Tradition und Naturschutz im Einklang
Tratten führen eine lange Tradition in der Region; sie wurden einst zur Mahd oder als Weideflächen genutzt. Die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands der Trattenfläche wird auch durch den Einsatz von Schafen vorangetrieben, die eine Schlüsselrolle bei der Beweidung übernehmen und damit zur langfristigen Pflege des Gebiets beitragen. Ursprünglich waren Ziegen für diesen Zweck angedacht, jedoch mussten sie aus Gärtnerproblemen umgesiedelt werden.
Die Maßnahmen zur Pflege der „Artenreiter Tratte“ wurden durch eine finanzielle Unterstützung ermöglicht, wobei 90 Prozent der Kosten von der bayerischen Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinie (LNPR) übernommen werden. Der LPV BGL trägt zudem die Verantwortung für zehn Prozent des Eigenanteils der Förderung. Diese finanzielle Grundlage ist jedoch gefährdet, da die staatlichen Fördermittel für 2025 bereits aufgebraucht sind. Susanne Thomas, die Geschäftsführerin des LPV BGL, äußerte Bedenken hinsichtlich der nachhaltigen Finanzierung solcher Projekte.
Ausblick auf die Zukunft
Die Erhaltung und Revitalisierung der Tratten in der Region wird nicht nur als notwendige Maßnahme für den Naturschutz angesehen, sondern auch als wichtiger Teil des bayerischen Naturschutzmodells. Im Rahmen einer Informationskampagne informiert der LPV BGL Wanderer und Interessierte über die Bedeutung der traditionell gepflegten Kulturlandschaften. QR-Codes führen zu ausführlichen Informationen und sollen das Bewusstsein für den Naturschutz erhöhen.
Das Engagement von Hans Grassl und die nachhaltigen Maßnahmen des LPV BGL stehen beispielhaft für die Herausforderungen und Chancen des kooperativen Naturschutzes, der nicht nur die Umwelt schützt, sondern auch die Traditionen und die kulturelle Identität der Region bewahrt. Der Erhalt der „Artenreiter Tratte“ könnte eine Modellfunktion für ähnliche Projekte in Bayern einnehmen und dazu beitragen, die wertvolle Biodiversität dieser einzigartigen Landschaft für zukünftige Generationen zu sichern.





