Am 17. Februar 2026 wurde das Erich-Zeigner-Haus an der Zschocherschen Straße in Plagwitz offiziell nach zwei Jahren umfangreicher Sanierung wiedereröffnet. Der Tag fiel auf den 140. Geburtstag von Erich Zeigner, einer bedeutenden historischen Figur, die als Demokrat, Antifaschist und sächsischer Justizminister (1921) sowie Ministerpräsident (1923) wirkte. Zudem war er von 1945 bis 1949 Oberbürgermeister von Leipzig. Das Haus, in dem Zeigner selbst seit 1927 wohnte, hat sich zu einer modernen Bildungs- und Begegnungsstätte entwickelt, welche die Förderung von Zivilcourage und Demokratie ins Zentrum ihres Engagements stellt. Dies betont der Verein Erich-Zeigner-Haus e.V., der seit 1999 aktiv ist und die Projekte zur Demokratiebildung in Grund- und Förderschulen in den Fokus rückt.
Zu den etwa 100 Gästen der Wiedereröffnung zählten unter anderem Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter sowie Leipzigs Demokratie-Bürgermeisterin Vicki Felthaus. Bei der feierlichen Zeremonie wurde ein rotes Band durchgeschnitten, und die Anwesenden erhielten Einblicke in die zukünftige Nutzung des Hauses und seine Angebote zur politischen Bildung.
Perspektiven der Zukunft
Das Erich-Zeigner-Haus wird auch in den denkmalgeschützten historischen Wohnräumen im Erdgeschoss zugänglich sein. Diese Räume werden durch eine kleine Ausstellung zur Leipziger Erinnerungskultur ergänzt. Die Sanierung des Gebäudes kostete insgesamt etwa 2,6 Millionen Euro, wovon 1,6 Millionen Euro vom sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus bereitgestellt wurden. Auch die Stadt Leipzig beteiligte sich mit 631.000 Euro, während weitere Mittel aus Denkmalförderungen und dem Bundesfonds für Energie und Klimaschutz zur Finanzierung beitrugen.
Die Bedeutung des Erich-Zeigner-Hauses als Zentrum für Zivilcourage, gelebte Demokratie und Erinnerungskultur wurde von Staatsminister Panter hervorgehoben. Der Verein plant darüber hinaus die Schaffung neuer Ausstellungen, unterstützt durch weitere 40.000 Euro, die der Stadtrat Leipzig im Oktober 2025 genehmigte.
Erich Zeigners Vermächtnis
Erich Zeigner wurde in ein Bildungsbürgerhaus geboren und trat bereits 1919 der SPD bei. Nach einer Laufbahn als Justizbeamter und seiner Zeit als Justizminister setzte er sich aktiv für die Demokratisierung ein. Seine politischen Aktivitäten führten zu Konflikten mit verschiedenen politischen Fraktionen, was letztlich zu seiner Absetzung durch eine Reichsexekution führte. Im Nationalsozialismus wurde er verfolgt und im Jahr 1944 ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Nach dem Krieg wurde er von der sowjetischen Militärverwaltung zum Oberbürgermeister von Leipzig ernannt und blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1949 im Amt.
Das Erich-Zeigner-Haus ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch eine aktive Plattform, die Lesungen, Vortragsreihen, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen organisiert. Es setzt sich für die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus ein und fördert die aktive Beteiligung junger Menschen an demokratischen Prozessen und Toleranz.
Für weitere Informationen zu diesem Thema können die Artikel von Leipzig Insider, Erich-Zeigner-Haus e.V. und Demokratiegeschichte gelesen werden.