Die Philippuskirche in Leipzig-Lindenau, eine beeindruckende evangelisch-lutherische Kirche, wurde zwischen 1907 und 1910 im Jugendstil erbaut. Sie ist eine der wenigen Kirchen in Mitteldeutschland, die nach den Bau-Grundsätzen des Wiesbadener Programms errichtet wurde. Mit einem 62,5 Meter hohen Turm, der eine neobarocke Haube krönt, zieht sie die Blicke der Besucher auf sich. Seit 2002 steht die Kirche ohne zugehörige Kirchgemeinde da, was schließlich zu einem lange anhaltenden Leerstand führte. Eine umfassende Restaurierung und Umgestaltung brachte neues Leben in das Gotteshaus, das am 3. Mai 2019 mit etwa 500 Besuchern und Altbischof Jochen Bohl feierlich wiedereröffnet wurde. Inzwischen wird die Kirche als Musik-, Kultur-, Glaubens- und Veranstaltungsstätte genutzt, was ihre kulturelle Bedeutung unterstreicht, wie l-iz.de berichtet.

Eine besondere Attraktion der Philippuskirche ist die restaurierte Jehmlich-Orgel aus dem Jahr 1910, die am 1. Mai 2021 eingeweiht wurde. Hinzu kommt das Geläut aus vier Gussstahlglocken, die bereits 1909 gegossen wurden, sowie eine funktionstüchtige Turmuhr, die im Originalzustand erhalten geblieben ist. Die Kirche bietet mittlerweile Platz für 692 Sitzplätze und kann zudem als Veranstaltungsort gemietet werden.

Inklusionshotel mit Potenzial

Das Pfarrhaus der Philippuskirche wird seit Mai 2018 nach umfassender Sanierung als Inklusionshotel betrieben. Mit insgesamt 29 Zimmern wird das Hotel in familiärer Atmosphäre geführt und eröffnet Möglichkeiten zur Integration von Menschen mit und ohne Behinderung. PHILIPPUS Leipzig, das als Inklusionsbetrieb fungiert, hat sich zum Ziel gesetzt, eine barrierearme Umgebung zu schaffen und individuelle Wünsche der Gäste zu berücksichtigen, wie auf philippus-leipzig.de dargelegt wird.

Trotz dieser positiven Ansätze gibt es Bedenken hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit des Hotels und der konsequenten Umsetzung des Inklusionskonzepts. Die Gemeinde selbst könnte durch die Hotelnutzung in ihren Bedürfnissen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Insbesondere die Frage der Barrierefreiheit ist kritisch zu betrachten, da nicht alle Räume vollständig zugänglich sind und nur relativ wenige Mitarbeiter mit Behinderung angestellt sind. Diese Aspekte werfen die Notwendigkeit einer kritischen Evaluation der Standort- und Marktanalyse auf, um sicherzustellen, dass der Nutzen des Objekts die Investitionssumme rechtfertigt, berichtet transara.uni-bonn.de.

Ein Treffpunkt für die Gemeinschaft

Die Philippuskirche sowie das Inklusionshotel bieten eine Plattform für kulturelle und spirituelle Veranstaltungen, die weitgehend kostenfrei sind und somit ökonomische Barrierefreiheit fördern. Zudem werden Hörunterstützungen und Übersetzungen in Deutsche Gebärdensprache angeboten, um eine vielfältige Gesellschaft zu unterstützen. PHILIPPUS Leipzig versteht sich als offener Treffpunkt des Quartiers, wo Begegnungen zwischen verschiedenen Menschen gefördert werden und wo das Ziel der Inklusion aktiv gelebt wird.

Die Philippuskirche hat sich durch ihre umfassenden Sanierungsmaßnahmen und die gelungene Umnutzung nicht nur als kulturelle Stätte etabliert, sondern auch als ein Ort, an dem Inklusion ernst genommen wird. Trotz bestehender Herausforderungen bleibt die Kirche ein Hoffnungsträger und ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens in Leipzig.