Die Spread Group in Leipzig steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Am 30. Januar 2025 mietet das Unternehmen den ersten Stock des Berliner Restaurants „Borchardt“, um die Luxusmarke „August Eleven“ zu launchen. Im Fokus stehen sogenannte „High earners, not rich yet“ (kurz „Henry“), die bereit sind, 80 Euro für ein T-Shirt auszugeben. Zu diesem Zweck wurde die deutsche Influencerin Stefanie Giesinger engagiert, um das neue Produkt zu bewerben. Doch während die Feierlichkeiten zum Launch in Berlin stattfinden, erhalten 35 Mitarbeiter Kündigungen, die per Kurier zugestellt werden. Diese Kündigungen sind sofort wirksam, die Betroffenen haben lediglich zwei Tage Zeit, um ihre Schreibtische zu räumen. Das Unternehmen erklärt die Maßnahmen als „leider unvermeidbar“ im Rahmen einer „strategischen Neuausrichtung“.
Der schockierende Stellenabbau von rund 7 Prozent der Belegschaft kommt überraschend, da es zuvor keine Hinweise auf die bevorstehenden Entlassungen gab. Insider deuten darauf hin, dass insbesondere der Kundenservice betroffen ist. Eine Sprecherin der Spread Group erklärt, dass die Entscheidung letztlich darauf abzielt, Prozesse effizienter zu gestalten und Kapazitäten an den Marktbedarf anzupassen.
Ein schwieriges Geschäftsfeld
Die Probleme der Spread Group sind nicht isoliert, sondern spiegeln eine größere Herausforderung innerhalb der gesamten Luxusmodebranche wider. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass sich das Konsumverhalten der Käufer verändert hat, was oft als „Luxury fatigue“ bezeichnet wird. Preiserhöhungen um bis zu 25 % innerhalb von drei Jahren ohne signifikante Qualitätsverbesserungen machen Luxusprodukte für viele unerschwinglich. Diese Entwicklung sorgt dafür, dass große Marken wie LVMH und Richemont im Umsatz leicht zurückgehen, während sogar Kering und Burberry mit deutlichen Rückgängen kämpfen.
Insgesamt wurden seit Januar 2025 bis zu 80 Stellen in der Verwaltungszentrale und in den Design- sowie Kundendienstbereichen gestrichen. CEO Julian de Grahl, der das Unternehmen seit 2021 führt, kündigte für Ende März 2025 seinen Rücktritt an. Interimistisch wird Frank Bartelt die Leitung übernehmen. De Grahl spricht von einer „riesigen Disruption im Markt“, die schwierigsten Bedingungen kamen durch sinkende Google-Suchanfragen und den Preisdruck von chinesischen Online-Anbietern wie „Temu“ zustande.
Strategische Neuausrichtung
Die Spread Group hat in den letzten Jahren in neue Geschäftsfelder, Tech-Infrastrukturen und Produktionswerke investiert. Das Unternehmen muss jedoch den klaren Wandel auf dem Markt berücksichtigen und gleichzeitig eine optimierte Kostenstruktur schaffen, um für zukünftige Investitionen gerüstet zu sein. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten und der anhaltend hohen Inflation wird der Schritt als notwendig erachtet, um sich im Bereich der hochwertigen Kleidung von der Billigware abzuheben. Bedruckte Hoodies bleiben das zweitbeliebteste Produkt der Marke.
Insgesamt wird klar, dass die Luxusmarke „August Eleven“ nach einem vielversprechenden Start schnell wieder eingestellt wurde, da die Verkäufe nach dem Launch „niedriger als erwartet“ waren. Auch die Teilnahme an einer Kunstmesse in Miami und ein aufwändiges Fotoshooting in Montenegro konnten dem Label nicht zum gewünschten Erfolg verhelfen.
Die Herausforderungen, vor denen die Spread Group heute steht, sind nicht nur unternehmensintern, sondern reflektieren ebenfalls die krisenhaften Zeiten, in denen die gesamte Branche agiert. In einem Markt, der sich mit wachsenden Unsicherheiten und sinkenden Kaufbereitschaften auseinandersetzen muss, wird es entscheidend sein, ob und wie das Unternehmen erfolgreich seine Neuausrichtung umsetzen kann.
Für das Unternehmen gilt es nun, nach vorne zu schauen und eine Strategie zu entwickeln, die auf dauerhaften Erfolg ausgelegt ist. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie die Spread Group mit diesen Herausforderungen umgehen wird.
Für mehr Hintergründe zu diesen Entwicklungen klicken Sie auf die Artikel von Sächsische.de und TAG24. Informationen zur allgemeinen Lage in der Luxusmodebranche finden Sie auch bei Welt.de.