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Die Region Sachsen-Anhalt rückt ins nationale und internationale Interesse der Neandertalerforschung. Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Scientific Reports, liefert spannende Erkenntnisse über das Lebensumfeld der Neandertaler vor etwa 125.000 Jahren, insbesondere am Fundplatz Neumark-Nord im Geiseltal. Hier haben Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Gaudzinski-Windheuser von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz herausgefunden, dass die Neandertaler Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) jagten und sie anscheinend nicht nur als Nahrungsquelle, sondern auch zur Herstellung von Werkzeugen nutzten, wie MDR berichtet.

Bei den archäologischen Ausgrabungen wurden zahlreiche Fragmente von Schildkrötenpanzern mit gesichteten Bearbeitungsspuren entdeckt. Die Analyse von 92 Panzerfragmenten mithilfe hochauflösender 3D-Scans zeigt, dass Gliedmaßen abgetrennt, innere Organe entfernt und die Panzer sorgfältig gereinigt wurden. Diese Bearbeitung übersteigt die Anforderungen einer bloßen Nahrungsgewinnung und deutet auf eine gezielte, systematische Verarbeitung der Tiere hin. Somit wird Neumark-Nord auch zum ersten Nachweis, dass Neandertaler nördlich der Alpen systematisch Schildkröten jagten und verwerteten, wie Herder ergänzt.

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Ressourcenreiche Lebenswelt

Neumark-Nord gilt als eine der bestuntersuchten Freilandfundstätten des europäischen Mittelpaläolithikums. Der Standort bot den Neandertalern eine ressourcenreiche Lebensumwelt mit Hunderttausenden Tierknochen, darunter Reste von Hirschen, Rindern, Pferden und Europäischen Waldelefanten. Frühere Studien zeigten, dass die Neandertaler an diesem Platz „Fettfabriken“ betrieben, um energiereiches Fett aus großen Tierknochen zu gewinnen. Diese Befunde erweitern das Verständnis der ökologischen Anpassungsfähigkeit der Neandertaler und ihrer Fähigkeit, verschiedene Ressourcen nachhaltig zu nutzen.

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Die Schildkröten, obwohl sie mit etwa einem Kilogramm Körpergewicht einen geringen Nährwert haben, könnten aufgrund ihrer geringen Mobilität leicht gefangen worden sein. Es gibt auch alternative Erklärungen für ihre Nutzung: Diese könnten sich auf geschmackliche Vorlieben oder gar medizinische Anwendungen beziehen. Die neuen Erkenntnisse stammen aus einem umfassenden Forschungsprogramm, das vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt unterstützt wird und auf die Erstellung einer detaillierten Analyse der Ressourcennutzung der Neandertaler in dieser Region abzielt.

Zusammengefasst belegen die Ergebnisse von Gaudzinski-Windheuser und ihrem internationalen Team, dass die Lebensweise der Neandertaler in Sachsen-Anhalt vielfältiger und komplexer war, als bislang angenommen. Die Studie verdeutlicht den hohen Grad an Anpassungsfähigkeit dieser frühen Menschen und stellt den Fundplatz Neumark-Nord ins Zentrum künftiger Forschungen über die menschliche Evolution.