In der kommenden Woche bietet das Lindenau-Museum in Altenburg eine besondere Veranstaltung an, die sich mit der Thematik von fremden Ländern und Menschen beschäftigt. Die Sonntagsführung am 1. März 2026 um 14 Uhr wird von dem Kunsthistoriker Vincent Rudolf geleitet. Dabei steht die Spurensuche zu Landmassen der Südhalbkugel ab dem 18. Jahrhundert im Fokus. Diese Führungen ermöglichen es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sich mit den Auswirkungen von Forschungsreisen und Expeditionen auseinanderzusetzen, die dem europäischen Publikum neue geografische Perspektiven eröffneten.
Besonders spannend sind vor allem die Berichte und Abenteuerromane dieser Zeit, die Einblicke in bislang fremde und oft auch entlegene Gebiete boten. Anhand exemplarischer Reiseziele wie Indien und die Südsee verdeutlicht die Ausstellung, wie Künstler wie Paul Gauguin, Max Pechstein und Emil Nolde die Faszination dieser Regionen in ihrem Werk festhielten. Besonders thematisiert wird zudem der Mythos vom weißen Sandstrand und dessen komplexe Geschichte. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist kostenlos und findet in der Kunstgasse 1 in Altenburg statt.
Herausforderungen ethnologischer Museen
Während sich im Lindenau-Museum der Blick auf vergangene Abenteuer gerichtet wird, stehen ethnologische Museen weltweit unter Druck. Bewegungen für Racial Justice, Dekolonisierung und Wiedergutmachung stellen die Praktiken dieser Institutionen in Frage und fordern eine umfassende Auseinandersetzung mit kolonialen Verstrickungen. So berichtet Humboldt Forum, dass Museen versuchen, sich von kolonialer Vergangenheit zu distanzieren. Dies geschieht unter anderem durch Restitutionsprozesse und die Neuerzählung der Sammlungen, um Kontroversen um die Herkunft von Objekten anzugehen.
Diese Entwicklung wird international beobachtet. Vorreiter wie das British Museum haben bereits buddhistische Terrakotten zurückgegeben, während das Ethnologisches Museum Berlin Benin-Bronzen restituiert hat. In dieser Diskussion wird auch französischer Präsident Emmanuel Macron für seine Initiativen zur Rückgabe von Kulturgegenständen gelobt. Die Historikerin Bénédicte Savoy hat sich intensiv mit den Fragen der Reparationen an Afrika beschäftigt und empfiehlt eine vollständige Rückgabe der entwendeten Objekte, um das historische Unrecht anzuerkennen.
Trotz dieser Fortschritte haben zahlreiche Museen Schwierigkeiten, ein positives Narrativ zu entwickeln. Im Humboldt Forum werden die architektonischen Elemente als eine Fortsetzung imperialer Werte verstanden, was zur Kritik an der Programmarbeit geführt hat. Es fehlt an selbstreflektierenden, kultursensiblen Ausstellungen, die das Publikum zur Auseinandersetzung mit der ideologischen Macht des kapitalistischen Patriarchats anregen könnten.
Ein Beispiel für den Wandel ist die Ausstellung „schrecklich schön, Elefant – Mensch – Elfenbein“, die als kuratorischer Erfolg gefeiert wird. Dennoch wird betont, dass eine tiefere Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe unabdingbar bleibt. Insbesondere die Darstellung zeitgenössischer afrikanischer Kunst ist kritisch zu hinterfragen, da sie oft in koloniale Stereotypen eingebettet ist. Bisher haben viele Museen diese Kritik lediglich instrumentalisiert, um den Status quo zu unterstützen.