Leipzig feiert in diesen Tagen die 16. Jüdische Woche, die vom 15. bis 22. Juni 2025 stattfindet. Mehr als 60 Institutionen und Vereine haben über 100 Veranstaltungen auf die Beine gestellt, um die jüdische Kultur und Kunst in der Stadt zu präsentieren. Dies ist eine Gelegenheit, den Dialog und den Austausch zwischen der jüdischen Gemeinde und der breiteren Stadtgesellschaft zu fördern. Das Ariowitsch-Haus, ein zentraler Ort für Begegnungen, spielt dabei eine entscheidende Rolle, wie lvz.de berichtet.
Gisela Kallenbach, Vorstandsvorsitzende des Vereins Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig, tritt seit Jahren für eine stärkere Integration der jüdischen Gemeinde in die Stadtgesellschaft ein. Die 2010 gewählte Vorsitzende hat sich seit 2004 im Förderverein engagiert, besonders nachdem der Umbau des Ariowitsch-Hauses wegen Anwohnerklagen ins Stocken geriet. Kallenbach betont, dass das Ariowitsch-Haus mehr als nur ein Veranstaltungsort sein sollte; es müsse als lebendiger Teil der Stadtgesellschaft wahrgenommen werden.
Notwendigkeit des Austausches
Kallenbach weist darauf hin, dass trotz einer wachsenden Präsenz jüdischer Kultur oft dieselben Personen an den Veranstaltungen teilnehmen. Es ist daher entscheidend, den Austausch zwischen der jüdischen Gemeinschaft und der nicht-jüdischen Mehrheit zu verstärken. Derzeit zählt die Israelitische Religionsgemeinde in Leipzig 1110 Mitglieder, die größtenteils aus ehemaligen Sowjetstaaten stammen.
Die Jüdische Woche hat in der Stadt an Bekanntheit gewonnen und zieht immer mehr Interessierte an, was auch an den zahlreichen beteiligten Institutionen wie Stadtbibliothek, Museen und Theatern liegt. Bei der aktuellen Jüdischen Woche sind die Teilnehmenden dazu eingeladen, sich über die jüdische Kultur zu informieren und an den verschiedenen Programmpunkten teilzunehmen, die ab dem 26. Mai 2025 online und als Printversion erhältlich sind, wie die Webseite des Ariowitsch-Hauses hervorhebt.
Herausforderungen des Antisemitismus
Ein zentrales Thema, das Kallenbach anspricht, ist der wachsende Antisemitismus in Deutschland. Dieser sei nicht nur auf Zugewanderte aus muslimischen Ländern zurückzuführen, sondern auch unter Deutschstämmigen konstant. Juden fühlen sich aufgrund von Pöbeleien und Gewalt zunehmend unsicher, was das Tragen einer Kippa in der Öffentlichkeit betrifft.
Trotz der Herausforderungen bleibt Kallenbach optimistisch. Sie glaubt, dass interreligiöse Begegnungen und Projekte in den kommenden Jahren zu einer Entspannung der Lage führen könnten. Dennoch kritisiert sie die abnehmende finanzielle Unterstützung für demokratiestärkende und antirassistische Projekte, insbesondere in kleineren Städten. Dies könnte langfristig die Bemühungen um ein friedliches Miteinander erschweren.