AMAZON Sidebar
AMAZON Sidebar

Im Volkspark Kleinzschocher in Leipzig treffen sich jeden zweiten Mittwoch im Monat junge Menschen bis 35 Jahre, um offen über Einsamkeit und Depressionen zu sprechen. Diese „Wind-und-Wetter-Gruppe“ wurde von der Selbsthilfekontakt- und Informationsstelle der Stadt ins Leben gerufen. Hier wird ein ungezwungener Austausch an frischer Luft gefördert, und die Teilnehmer können von den Erfahrungen der Gruppenleiter profitieren, die selbst Betroffene sind. Doch während der Wintermonate sind die Teilnehmendenzahlen geringer als in den warmen Monaten, wo sich zwischen fünf und zehn Personen versammeln, um ihre Herausforderungen zu teilen. Laut einem Bericht der Bertelsmannstiftung aus dem Jahr 2024 fühlen sich 46 % der 16- bis 30-Jährigen stark oder moderat einsam.

Die Herausforderung der Einsamkeit ist in urbanen Gebieten häufig ausgeprägter. Christine Rummel-Kluge, Oberärztin am Universitätsklinikum Leipzig, erklärt, dass jüngere Menschen sich einsamer fühlen als ältere. Beatrix Stark, psychosoziale Beraterin, merkt an, dass in den sozialen Beziehungen von Studierenden oft eine fehlende Wertschätzung vorherrscht. Die zunehmende Unverbindlichkeit in sozialen Kontakten wird unter anderem durch die Nutzung sozialer Medien begünstigt, die einerseits als Unterstützung dienen, aber auch negative Gefühle hervorrufen können.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Einsamkeit und soziale Medien

Die Auswirkungen von Einsamkeit sind nicht nur akut, sondern zeigen sich auch langfristig in der psychosozialen Entwicklung. Eine Studie der WHO zeigt, dass 11 % der Jugendlichen problematische Verhaltensweisen im Umgang mit sozialen Medien aufweisen, wobei Mädchen mit 13 % häufiger betroffen sind als Jungen (9 %). Täglich stehen 36 % der Jugendlichen online mit Freunden in Kontakt, was insbesondere bei 15-jährigen Mädchen mit 44 % zu beobachten ist.

AMAZON In-Article
AMAZON In-Article

In Leipzig sind die Einsamkeitsgefühle unter den Jugendlichen Besorgnis erregend. Hanna, eine 25-Jährige, berichtet von ihren Erfahrungen mit Depressionen und der Einsamkeit, die oft sogar in sozialen Situationen überhandnimmt. Unterstützung finden Betroffene durch regionale Angebote wie die vom Leipziger Bündnis gegen Depression. Dennoch betont Rummel-Kluge, dass die Teilnahme an solchen Gruppen eine psychische Stabilität und soziale Kompetenzen erfordert, die oft durch Einsamkeit beeinträchtigt sind.

Schulen und soziale Begegnungen

Steffen Freiberg, Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, hat die Wichtigkeit von Bildungseinrichtungen betont, die soziale Begegnungen fördern. Peer-Beziehungen und außerunterrichtliche Angebote sind für die psychosoziale Entwicklung von Jugendlichen entscheidend. Fast die Hälfte der Jugendlichen empfindet Einsamkeit als relevante Alltagsbelastung und zeigt vermehrt Empfindungen der Stressanfälligkeit.

Die Diskussion über Einsamkeit in den Schulen wird zunehmend lauter. 84 % der Jugendlichen sehen Schulen und Ausbildungsstätten in der Verantwortung, Unterstützung im Umgang mit Einsamkeit anzubieten. Dabei wünschen sich viele einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien sowie mehr Raum für soziale Begegnungen.

Die Erkenntnis ist klar: Einsamkeit trifft nicht nur Jugendliche hart, sie ist ein komplexes Thema mit tiefen psychologischen Wurzeln, das sowohl durch digitale als auch durch analoge Interaktionen beeinflusst wird. Empfohlene Anlaufstellen für Unterstützung sind unter anderem die anonyme Telefonseelsorge und der sozialpsychiatrische Dienst, zu erreichen unter:

  • Anonyme Telefonseelsorge: 0800/111 0 111, 0800/111 0 222 (täglich 0–24 Uhr)
  • Sozialpsychiatrischer Dienst im Krisenfall: 0341/99 99 00 01 (Mo–Fr 8–19 Uhr)
  • Infotelefon für Depression: 0800 / 33 44 5 33 (Mo/Di, Do 13–17, Mi, Fr 8:30–12:30 Uhr)

Die Notwendigkeit für niedrigschwellige Angebote wie die Wind-und-Wetter-Gruppe zeigt, dass die Gesellschaft auf diese Herausforderungen reagieren muss, um das Wohlbefinden der Jugendlichen zu fördern und Einsamkeit entgegenzuwirken. Weitere Informationen zu diesem Thema sind in den Berichten von Kreuzer Leipzig, Vodafone Stiftung und WHO zu finden.