In Leipzig steht die Tagespflege für Kleinkinder vor gravierenden Herausforderungen. Die Zahl der durch Tageseltern betreuten Kinder in der Stadt ist seit 2020 um fast 60 Prozent gesunken. Ende 2020 betreuten noch 605 Tageseltern rund 2.746 Kinder. Bis Mai 2025 ist diese Zahl auf nur noch 1.126 Kinder und 270 Tageseltern gefallen. Diese Entwicklung führt dazu, dass viele Tageseltern wie Susanne aus Gohlis-Mitte ihre Angebote zurückfahren müssen und teils sogar die Betreuung einstellen wollen, wie lvz.de berichtet.
Susanne betreut derzeit fünf Kinder, sieht sich aber gezwungen, im September ihre Tätigkeit zu beenden. Der Grund ist simpel: Zwei ihrer Schützlinge scheiden aus, und es gibt keine neuen Anfragen. „Ich kann es mir nicht leisten, nur mit drei Kindern weiterzuarbeiten“, erklärt sie. Früher war das Angebot an Krippenplätzen in Leipzig begrenzt, was die Nachfrage nach Tagespflege steigern ließ. Doch die Situation hat sich gewandelt, und geeignete Kinder zu finden wird für viele Tageseltern zunehmend schwierig.
Rückgang der Betreuungsplätze
Die aktuelle Entwicklung ist auch durch eine Reihe von Faktoren bedingt. Aufgrund eines Geburtenknicks und der Schließung von Kitas sinkt die Zahl der Kinder im Kindergartenalter in der gesamten Region Sachsen. Das Statistische Landesamt prognostiziert, dass dieser Rückgang Auswirkungen auf die Anzahl der benötigten Kita-Plätze haben wird. Leipzig rechnet in den kommenden Jahren mit jeweils rund 1.000 weniger benötigten Betreuungsplätzen, wie mdr.de anmerkt.
Aktuell bietet Leipzig insgesamt 33.173 Betreuungsplätze, deren Belegung ebenfalls bei 87 Prozent liegt. Doch während die Stadt weiterhin in die Bildung investiert, sind auch Diskussionen über mögliche Schließungen von kommunalen Kitas im Gange. Diese würden temporäre Einrichtungen betreffen, die in Containerbauweise erstellt wurden. Die städtischen Planungen gehen insofern, dass geschlossene Kitas als Reserve vorgehalten werden könnten, um bei Bedarf später wieder eröffnet zu werden.
Individuelle Betreuung als Präferenz
Trotz der rückläufigen Zahlen signalisiert das Jugendamt, dass das Modell der Tagespflege weiterhin unterstützt wird. Viele Eltern bevorzugen die individuelle Betreuung ihrer Kinder, was zeigt, dass es trotz der aktuellen Schwierigkeiten auch Bedarf an Tagespflegeplätzen gibt. Anja Stall vom Mütterzentrum Leipzig berichtet von einem drastischen Rückgang: Wurden 2021 noch 150 Kinder betreut, sind es aktuell nur noch 49. Aufgrund der geringen Nachfrage nimmt der Freie Träger keine neuen Tageseltern mehr auf, da die bestehenden Plätze nicht belegt werden können.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass Leipzigs Tagespflege in einem Wandel begriffen ist. Die Herausforderungen sind vielschichtig und erfordern eine betraktliche Neuausrichtung der Betreuungsangebote, um den verbleibenden Bedarf auch in Zukunft langfristig zu sichern.