Im Innungsbezirk Leipzig ist das Uhrmacherhandwerk in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft. Während nach der Wende noch 200 Uhrmachermeister tätig waren, sind es heute weniger als 20. Jörg Schneegaß, ein 59-jähriger Meister, ist einer der letzten Großuhrmacher, der sein Handwerk zwischen 1983 und 1985 an der Berufsschule Guben erlernte. In seiner Werkstatt in Grimma repariert er nicht nur Uhren, sondern haucht auch historischen Zeitmessern neues Leben ein.
Schneegaß ist auf Großuhren spezialisiert, die in der Branche als Grußuhren bezeichnet werden. Zu seinen Kunden zählen nicht nur Privatpersonen aus der Region, sondern auch Menschen aus anderen Teilen Deutschlands, die oft mehrere defekte Uhren zur Diagnose bringen. Ein Blick in seine Werkstatt zeigt, wie alle Uhren zur vollen Stunde schlagen und spielen, was als Qualifikationstest für seine Reparaturen dient.
Die Kunst der Uhrmacherei
Um eine Uhr wieder zum Ticken zu bringen, setzt Schneegaß sowohl feines Uhrmacherwerkzeug als auch Hammer und Schraubenschlüssel ein. Momentan arbeitet er an einer Rundkopf-Standuhr der Marke DUFA, bei der die Pendelfeder defekt ist. Eine Generalüberholung einer Uhr dauert in der Regel etwa sechs Stunden und kostet zwischen 250 und 300 Euro. Seine Vorliebe für englische Bodenstanduhren, die handgemalte Motive aufweisen, hebt seinen persönlichen Stil hervor.
Unverkennbar ist Schneegaß’ Bewusstsein für die Vergänglichkeit seines Handwerks. Daher sucht er bereits aktiv nach einem Nachfolger, um sein Wissen und seine Fähigkeiten weiterzugeben. Die Grimmaer Uhrmacherei ist nicht nur für ihre Reparaturarbeiten bekannt, sondern auch für ihre sächsischen Uhrenhersteller, wie die DUFA und die Bernhard Zachariä GmbH, deren Uhren in vielen bedeutenden Gebäuden Deutschlands installiert sind—unter anderem im Alten Rathaus in Leipzig und im Hamburger Michel.
Angesichts der schwindenden Zahl an Uhrmachern wird die Kunst des Uhrendrehens und die Wartung dieser faszinierenden Zeitmesser immer wichtiger. [Uhr-Kraft] bietet umfassende Informationen zu Uhrenservice und Reparaturen, um auch andere in der Branche zu unterstützen und zu leiten.
Schneegaß ist nicht nur ein Handwerker, sondern auch ein Hüter einer Tradition, die in der digitalen Welt zunehmend an Bedeutung verliert. Die Zukunft seines Handwerks liegt möglicherweise in den Händen junger Leute, die sich für die Liebe zur Zeit und zur Präzision entflammen lassen.