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Bauernproteste in Nordsachsen: Wut auf der Straße, geteiltes Echo im Netz

Zwischen Applaus und Ärger – gespaltenes Echo im Netz

Seit dem frühen Morgen dominierten am Montag Trecker und Lkw die Straßen in Nordsachsen. Insbesondere wütende Bauern und ihre Unterstützer hatten die Verkehrsadern gesperrt, um ihren Unmut über bundespolitische Entscheidungen kundzutun. Bei den Bürgern stieß das auf geteiltes Echo.
Während es von den einen viel Zustimmung für die Bauernproteste gab, zeigten andere ihr Unverständnis und waren von den Auswirkungen genervt. Oft wurden zudem Parallelen zu den Klimaprotesten gezogen. Besonders in den sozialen Netzwerken wurden die Aktionen der nordsächsischen Bauern kontrovers diskutiert.
„Schneller kann man sich bei der Bevölkerung nicht ins Abseits stellen. Ähnlich wie die Klimakleber“, schrieb etwa Wolfgang Busch unter die Protestankündigung auf Facebook und forderte das Aus für dauerhafte Subventionen. „Subventionen sind Gift für den Fortschritt. Die zahlen letztendlich wir Bürger.“
Andere User ärgerten sich über die Form der Bauernproteste. So schrieb etwa Christian Gwenner in einem längeren Kommentar auf Facebook: „Demokratie erfordert Zeit. Sie ist quälend langsam. Aber das macht sie auch sicher. Stellt euch vier Wochen jeden Tag vor die Rathäuser und demonstriert, und wenn dann niemand reagiert, steigt in die Traktoren. Aber wer seinen Protest mit diesen mutwilligen Blockaden beginnt, obwohl die Politik längst Gespräche vereinbart hat, der klammert sich nicht an die Freiheit, sondern nur an seine Sitzheizung.“
„Die einzigen Leidtragenden dieser dummen Aktion sind doch die Leute, die jeden Morgen zur Arbeit müssen. Sollen die Bauern doch die Politik blockieren, inwiefern hilft es, dass meine Freundin heute Stunden eher zur Arbeit fahren muss, um pünktlich im Krankenhaus zu sein? Ist das der Dank dafür, dass sie Menschen hilft?“, fragte dagegen User Kenny Ned.
Andere Kommentatoren stärkten den Bauern den Rücken. In vielen Beiträgen hieß es simpel „Danke“ und „weiter so“. „Super. Das betrifft ja eigentlich jeden Bürger. Danke“, tippte Sarina Eggers über Facebook. „Sehr gut und Teil der Demokratie“, schrieb eine Userin über Instagram. Eine andere fügte hinzu: „Absolut gerechtfertigt. Alle Bauern haben meinen größten Respekt.“
Andere Stimmen richteten sich gezielt gegen kritische Kommentare. „Die Bauern kämpfen nicht nur um Agrardiesel oder Steuern für landwirtschaftliche Maschinen. Es geht um unser aller Wohlstand“, schrieb etwa Toni Meisner auf Facebook.

Verständnis von den Linken und der CDU

Die Fraktionen der Linken und der CDU in Nordsachsen drückten den Bauern ihre Unterstützung aus. Die Landwirte stünden seit Jahrzehnten unter wachsendem Druck, die Förderbürokratie aus Brüssel und des Bundes sei arbeitsaufwändig und kaum zu durchschauen, hieß es in einer Presseerklärung der Linken. „Die Marktmacht der vier großen Lebensmittelketten diktiert die unzureichenden Abgabepreise von Getreide, Milch, Fleisch und anderen Produkten, dazu kommen Billigimporte aus dem Ausland.“ Statt Landwirtschafts- und auch Handwerksbetriebe zu belasten, wünsche sich die Fraktion die Diskussion eine Übergewinnsteuer für große Konzerne wie Lidl, Aldi, Rewe und Edeka.
„Die Wut der Landwirte ist nachvollziehbar“, hieß es auch von Christiane Schenderlein, Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Nordsachsen. Es sei keine Lösung, Landwirte einseitig zur Kasse zu bitten und damit die Lebensmittelpreise zu erhöhen. Es sei bei Gesprächen vor Ort aber deutlich geworden, „dass es den nordsächsischen Landwirten um ihre Existenz geht und nicht um irgendwelche extremistischen Umsturzphantasien“.

Bauern aus Nordsachsen demonstrieren in Dresden

Die Bauern wollen derweil weitermachen. Abgestimmte Aktionen des Regionalbauernverbandes in den nächsten Tagen sind die Beteiligung an der Demonstration in Dresden an diesem Mittwoch, bei der zahlreiche Landwirte der Region wieder mit Traktoren dabei sein wollen. Einige reisen auch mit einem vom Verband organisierten Bus an. Am 15. Januar wird der Regionalbauernverband der Region Delitzsch-Eilenburg auch in Berlin an der großen Demo teilnehmen. Weiteres sei seitens der Verbandes nicht vorgesehen, so Geschäftsführerin Christine Richter. „Sollte von einzelnen Landwirten noch etwas in der Fläche geplant und getan werden, so ist das keine Aktion des Bauernverbandes oder abgestimmt“, so Richter. Eine solch eigenständige Aktion gab es offenbar am Dienstagnachmittag, als fünf Landwirte mit ihren Traktoren durch Delitzsch fuhren und auf einem Acker hielten.
Mit dem Verlauf der Veranstaltung am Montag ist man zufrieden, wenn auch politisch natürlich noch nichts erreicht sei und man weitermachen müsse, wie bei den genannten Demos. „Ein Dank geht an alle Unterstützer und auch Ordnungskräfte am Montag“, so Christine Richter.
LZV

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