24 Stunden für Frauen da – Stadt Leipzig

„Bevor alles etwas bürokratischer wurde, mussten die Frauen durchtelefonieren. Jetzt gibt es eine zentrale Anlaufstelle für häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder unter 0341 55010420. Außerdem waren wir in den Frauenhäusern nicht 24 Stunden am Tag vor Ort, sondern nur nachts und am Wochenende in Rufbereitschaft. Für den Soforteinlass ist immer jemand da“, erklärt Madeleine Burkowsky die Vorteile des neuen zentralen Soforteinlasses. Sie leitet den Freundeskreis Soziale Projekte e. V. gründete das Frauen- und Kinderhaus in Leipzig und war auch am Bau des neuen 4. Frauenhauses mit sofortiger Aufnahme beteiligt, das seit diesem Jahr ebenfalls vom Verein getragen und von Noreen Morgenstern geleitet wird.

Hohe Fallzahlen

Wie groß die Not ist, zeigen die Zahlen des sächsischen Innenministeriums für 2020, die die Stadt Leipzig anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November veröffentlicht hat: Allein in Leipzig wurden 1.774 gemeldet Fälle von häuslicher Gewalt, plus 147 Stalking-Anzeigen. 359 Mal musste die Leipziger Polizei Gewalttäter räumen.

Mit der sofortigen Aufnahme hat die Stadt nun gemeinsam mit dem unabhängigen Anbieter eine Anlaufstelle geschaffen, die von der telefonischen Erstberatung bis zur Aufnahme für einige Tage alle Möglichkeiten für Betroffene bietet. „Viele Frauen wollen sich erst einmal beraten lassen: Will ich überhaupt den Schritt ins Frauenhaus wagen, was heißt das? Hier können wir eine anonyme Unterkunft anbieten und zu verschiedenen Wegen und Optionen aus der Gewalt beraten“, sagt Burkowsky.

Ambulante Beratungsstelle erster Schritt

So kann einigen Betroffenen ein persönliches Gespräch in der Koordinierungs- und Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt und Stalking (KIS) in der Karl-Liebknecht-Straße helfen, wieder andere lassen sich anonym telefonisch beraten und wieder andere brauchen den räumlichen Schutz einer Frauen Schutz.

„Wer in die Sofortaufnahme kommt, bleibt dort rund vier Arbeitstage und kann in dieser Zeit entscheiden, welchen Weg er einschlagen möchte. Die meisten Frauen bleiben drei bis vier Monate, manche sogar bis zu einem Jahr im Frauenhaus selbst, bis Existenz- und Rechtsfragen weitgehend geklärt sind und ein eigener Wohnraum gefunden ist“, erklärt Burkowsky.

Der Aufenthalt in der Sofortaufnahme ist für die Frauen kostenlos. Für Sie und Ihre Kinder stehen sechs Zimmer zur Verfügung. Jede Frau bekommt ihr eigenes Zimmer. Im 4. Frauen- und Kinderhaus, das derzeit im selben Gebäude untergebracht ist, stehen acht Zimmer für eine Langzeitaufnahme zur Verfügung. Insgesamt verfügt die Stadt Leipzig über vier Gewaltschutzeinrichtungen mit 97 Betten in 49 Zimmern. Zwei Einrichtungen werden von den Freunden sozialer Projekte gefördert. V., das 1. Autonome Frauenhaus und ein Frauenhaus speziell für geflüchtete Frauen (SHE) unterstützt von Frauen für Frauen e. V.

Nutzungsgebühr im Frauenhaus

In den Häusern zahlen die Frauen eine tägliche Nutzungsgebühr, die je nach finanzieller Situation der betroffenen Person auch vom Jobcenter oder Sozialamt gezahlt wird. „Eine wesentliche Säule der Finanzierung der Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen sind im Gegensatz zur sofortigen Erfassung neben den Mitteln von Stadt und Land die Eigenmittel der Trägervereine, die sich im Wesentlichen aus Spenden und Nutzer zusammensetzen.“ Gebühren. Grundsätzlich möchte ich, dass von Gewalt betroffene Frauen und Kinder möglichst leicht aus einer Gewaltsituation herauskommen und in einem Frauenhaus Schutz und Beratung finden. Mit der zentralen Sofortaufnahme sind wir in Leipzig jetzt einen kleinen Schritt weiter“, sagt Burkowsky.

Problem in allen sozialen Schichten und Altersgruppen

Häusliche Gewalt ist keine Frage der sozialen Lage von Familien. Auch das Alter der Betroffenen variiert stark. „Ich erinnere mich an eine 89-jährige Frau, die nach jahrzehntelanger Gewalterfahrung ihres Mannes bei uns im Haus Schutz und Rat suchte, nachdem ihr Mann sie angeschrien, erniedrigt und an diesem Tag in ihrer Nachthemd-WG gesperrt wurde. „, berichtet Burkowsky. Besonders schwer fällt es Frauen, aus einer Gewaltsituation herauszukommen, wenn sehr patriarchale Rollenbilder vorherrschen und Frauen nicht einmal die Unterstützung ihrer eigenen Familie erfahren, um die Gewalt zu beenden. Wenn es um häusliche Gewalt geht, denken viele zuerst nach.“ von körperlicher Gewalt, Tritten, Schlägen und blauem Auge, aber auch Formen psychischer Gewalt sind inakzeptabel und haben schwerwiegende Folgen, zum Beispiel wenn die Frau das Haus nur zu bestimmten Anlässen verlassen darf, nicht arbeiten darf oder hat kein Kontakt zu Freunden oder Familie.

Die Mitarbeiterinnen in den Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen richten sich nach den Bedürfnissen der unterschiedlichen Altersgruppen und Familienverhältnisse der betroffenen Frauen. Sozialarbeiterinnen mit Zusatzqualifikationen im Bereich Trauma, systemische Beratung oder Kinderschutz sind für Frauen und Kinder da. Wichtig zum Schutz der Frauen: Der Besuch der Frauenhäuser ist strengstens untersagt. Auch ihre Standorte werden nicht bekannt gegeben.

Umzug in ein neues Gebäude

Im nächsten Jahr ist ein Umzug für das 4. Frauen- und Kinderhaus und die sofortige Aufnahme geplant – aus der Übergangslösung ab 2020 und in ein Gebäude, das den Bedürfnissen der Betroffenen besser entspricht. „Für Frauen und Kinder mit körperlichen Behinderungen gibt es barrierefreie Wohnungen im Erdgeschoss. Außerdem wird es dann getrennte Eingänge für das Tierheim und den sofortigen Einlass geben, denn die Fluktuation beim sofortigen Einlass ist sehr hoch“, blickt Burkowsky voraus.

Damit ist Leipzig die am besten aufgestellte Kommune in Sachsen. Trotzdem fehlten noch etwa zehn Plätze in Frauenhäusern, um den Vorgaben der Istanbul-Konvention zu entsprechen, wonach auf 10.000 Einwohner ein Familienplatz zur Verfügung gestellt wird. Dies bleibt eine Aufgabe für die nahe Zukunft.

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