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Kommt die Inflation dauerhaft zurück?

Frankfurt / Main. Zu Jahresbeginn stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland sprunghaft an. Wird die Inflation 2021 zurückkehren? Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflation in den nächsten Monaten weiter steigen wird. „Die Inflationsrate wird langfristig nicht so niedrig bleiben wie im Vorjahr“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann von der Augsburger Allgemeinen. Wofür spricht und was gegen steigende Verbraucherpreise?

Die Treiber der Inflation

Mehrwertsteuer: Seit dem 1. Januar 2021 gelten in Deutschland wieder die üblichen Mehrwertsteuersätze von 19 und 7 Prozent. Waren und Dienstleistungen werden tendenziell wieder teuer. Die entgegengesetzte Entwicklung war im Jahr 2020 zu beobachten: Die sechsmonatige Senkung der Mehrwertsteuersätze ab dem 1. Juli und ein starker Rückgang der Energiepreise dämpften den Preisanstieg. Die Inflationsrate in Deutschland lag mehrere Monate lang unter Null, was bedeutet, dass das Leben insgesamt mindestens billiger war als ein Jahr zuvor. Mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 oder 5 Prozent wollte die Bundesregierung den privaten Konsum während der Corona-Krise ankurbeln.

Aufholjagd: Im Krisenjahr 2020 hielten viele Menschen ihr Geld zusammen, Schließungen in Einzelhandelsgeschäften und Reisebeschränkungen verlangsamten ebenfalls den Konsum. Die Sparquote in Deutschland stieg auf ein Rekordhoch von 16,3 Prozent. Sobald Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet sind und es wieder mehr Möglichkeiten für Reisen und Freizeit gibt, sollte zumindest ein Teil des Verbrauchs ausgeglichen werden. Dies könnte „zu einem vorübergehenden Anstieg der Inflation führen“, prognostizierte Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) Anfang Januar. Die steigende Nachfrage könnte zumindest vorübergehend auch zu Preiserhöhungen führen.

CO2-Steuern: Seit Anfang 2021 wird eine CO2-Steuer von 25 Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO2) fällig, die bei der Verbrennung von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas anfällt. Das treibt die Preise für Heizen und Tanken in die Höhe. Laut Wirtschaftswissenschaftlern dürften die Preise für andere Waren auch indirekt leicht steigen.

Rohstoffpreise: Corona verlangsamte die Wirtschaft im Jahr 2020, die Nachfrage nach Rohöl ging zurück. Öl wurde billiger, was die Heizöl- und Kraftstoffpreise drückte. Der Ölpreis hat in letzter Zeit wieder angezogen – nach Ansicht der Ökonomen kein kurzfristiger Trend. „Dies allein stellt aus rein technischer Sicht sicher, dass sich die Änderungsrate der Verbraucherpreise für die Energiekomponente gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht“, erklärt die DZ Bank. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet aufgrund solcher „Basiseffekte“ auch für 2021 eine höhere Inflation, wie Vorstandsmitglied Isabel Schnabel im Deutschlandfunk sagte: „Diese kurzfristige Entwicklung sollte jedoch nicht mit einem anhaltenden Anstieg der Inflation verwechselt werden.“

Die Bremsen beim Aufblasen

Lohnzurückhaltung in der Krise: Bisher gab es keinen dramatischen Stellenabbau, vor allem aufgrund von Kurzarbeit. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit gestiegen. Dies schwächt die Verhandlungsposition von Gewerkschaften und Arbeitnehmern. Die Ökonomen der DZ Bank erwarten daher, „dass die Unternehmen und damit die Verbraucherpreise von der Lohnseite her nur wenig unter Druck geraten“. Selbst bei einer vergleichsweise starken wirtschaftlichen Erholung ist es unwahrscheinlich, dass die Produktionskapazitäten bis 2022 voll ausgeschöpft werden.

Stärkerer Euro: Die gemeinsame Währung hat insbesondere gegenüber dem Dollar an Stärke gewonnen. Dies kann Importe nach Deutschland billiger machen. Rohöl und andere Rohstoffe werden weltweit in US-Währung abgerechnet. „Der starke Euro begrenzt auch den Inflationsdruck“, argumentiert der ING-Ökonom Carsten Brzeski.

Digitalisierung und Globalisierung: Ökonomen sehen darin den Grund für die seit Jahren schwache Inflation. Die Globalisierung hat das weltweite Arbeitskräfteangebot erhöht und die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer verlangsamt – und damit den Anstieg der Löhne, sagte EZB-Direktor Schnabel von der österreichischen Zeitung „Der Standard“ kürzlich. Darüber hinaus hat die Informationstechnologie zu Preistransparenz und damit zu mehr Wettbewerb geführt. Die Digitalisierung beschleunigte sich während der Koronakrise. „Der Anstieg der Digitalisierung wird die Inflation dämpfen“, prognostiziert Jörg Zeuner, Chefökonom der Union Investment Fund Company.

Was sind die Folgen der Geldflut der EZB und der Staaten?

Das ist umstritten. Kritiker haben lange vor den Folgen der Geldschwemme für die Preisstabilität gewarnt. Bisher gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass die große Menge an billigem Geld die Inflation befeuert. Tatsächlich hat die EZB trotz der Nullzinspolitik und der Wertpapierkäufe jahrelang ihr Ziel einer mittelfristigen jährlichen Inflationsrate von knapp zwei Prozent im Euroraum verfehlt. Die DZ Bank sieht vorerst kaum Inflationsrisiken durch die Geldflut, ebenso wenig wie durch die gigantischen staatlichen Beihilfeprogramme in der Corona-Krise.

Langfristig könnte jedoch die demografische Entwicklung in Kombination mit der zunehmenden Geldmenge die Inflation ankurbeln. „Da der Anteil der Erwerbsbevölkerung sinkt, wird die Arbeit knapper, was das Lohnwachstum und damit die Inflation erhöht“, erklärt Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. „Die seit einiger Zeit zu stark ansteigende Geldmenge wird dann zu einer höheren Inflation führen, wenn der große demografische Wandel zu einem spürbaren Arbeitskräftemangel führt.“ Das Timing ist jedoch schwer vorherzusagen.

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