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Die Hilferufe von Kindern und Jugendlichen nehmen zu, und viele denken an Selbstmord

Hannover. Kinder und Jugendliche leiden besonders unter der Koronapandemie. Viele junge Menschen entwickeln infolge der Sperrung psychischen Stress, der zu Krankheit und Selbstmord führen kann. Die Website krisenchat.de wurde gestartet, um die Zielgruppe anzusprechen. Laut Mitbegründerin Melanie Eckert hatten seit dem Start im Mai 2020 rund 20 Prozent der rund 7.300 Hilfesuchenden Selbstmordgedanken.

„Unsere Idee ist es, psychosoziale Erste Hilfe für Kinder und Jugendliche zu schaffen, die immer verfügbar, kostenlos und effektiv ist“, sagt der Psychologe. „Wir wollen die offensichtlich wachsende Zahl nicht gemeldeter Fälle von jungen Menschen, die Hilfe suchen, reduzieren. Wir hätten nicht gedacht, dass die Resonanz so großartig wäre. „“

Bisher 15.000 Konsultationen

Krisenchat.de arbeitet nach eigenen Angaben bundesweit mit 250 ausgebildeten Psychologen und Sozialpädagogen zusammen. „Seit Beginn der Pandemie haben sich 7.300 Kinder und Jugendliche an unsere WhatsApp-Hotline gewandt. Insgesamt wurden 15.000 Konsultationen durchgeführt“, sagt Melanie Eckert. „Derzeit gibt es täglich mehr als 100 Hilferufe, und der Trend steigt.“

Am häufigsten litten die Nutzer der Hotline unter Depressionen und Angstzuständen, „aber familiäre Konflikte und Mobbingprobleme sind keine Seltenheit“, sagt Eckert. Besonders erschreckend ist die Zahl derer, die Selbstmordgedanken hegten.

Nimm es ernst, ermutige

Je nach Problem wird Hilfe angeboten: „Zunächst haben wir ein offenes Ohr und nehmen das Problem ernst. Dann werden wir gemeinsam sehen, was der nächste Schritt sein könnte. „Es geht auch darum, Menschen zu ermutigen – zum Beispiel zur Therapie zu gehen. Wenn ein akutes Selbstmordrisiko besteht, besteht ein Zusammenhang mit professioneller Hilfe.

„Wir sind oft der erste Ansprechpartner“, erklärt Eckert den Grund dafür: „Wir verwenden das am häufigsten verwendete Kommunikationstool der Zielgruppe: den Chat. Dies ist den Kindern und Jugendlichen vertraut und dennoch vertraulich. „Anders als am Telefon können sie das Tempo selbst einstellen – in Echtzeit. Ohne auf eine E-Mail oder einen Rückruf warten zu müssen.“ Manchmal beginnt der Kontakt mit einem kurzen: ‚Hilfe, ich kann nicht mehr!‘ Dann wird Schritt für Schritt Vertrauen aufgebaut, um ein Gespräch zu beginnen. „

Auch nach der Sperrung gibt es für Krisenchat.de viel zu tun, da ist sich der Psychologe sicher. „Niemand kann heute sagen, wie lange die Folgen uns beschäftigen werden.“ Die Plattform schließt weiterhin die Versorgungslücke als anonymer Beratungsdienst ohne Registrierung, Telefonkontakt oder lange Wartezeiten.

Auch mehr Aufnahmen in die Psychiatrie

Der psychische Druck unter jungen Menschen hat im Vergleich zum Frühjahr zugenommen – dies wird durch mehrere Studien bestätigt. Fast jedes dritte Kind zwischen sieben und 17 Jahren weist inzwischen psychische Anomalien auf, berichten die Autoren der Hamburger Copsy-Studie. Risikofaktoren sind ein niedriges Bildungsniveau und ein begrenzter Lebensraum.

Bundesweit haben Experten festgestellt, dass deutlich mehr Kinder und Jugendliche zur Behandlung in psychiatrische Kliniken kommen. Eine aktuelle Analyse der Krankenkasse DAK zeigt, dass sich die Zahl der psychiatrischen Aufnahmen von Jugendlichen in Berlin im ersten Halbjahr 2020 fast verdoppelt hat. Im ersten Halbjahr 2019 wurden 22 junge Menschen bis 17 Jahre klinisch behandelt Psychiatrie für depressive Episoden. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 waren es 39.

Viele Mädchen mit Essstörungen

Christoph Correll, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Charité Campus Virchow, listet auf, was heute in seiner Klinik häufiger vorkommt als vor der Pandemie: „Sehr dünne Mädchen mit Essstörungen, noch dünner als zuvor. Wahrscheinlich, weil Lehrer, Freunde oder Kinderärzte als Korrektur fehlen. „“

Die Kinderpsychiaterin Gottfried Maria Barth, stellvertretende Ärztliche Direktorin für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Tübingen, erklärt die Zwangs- und Essstörungen: Die Betroffenen würden nach Wegen suchen, um damit umzugehen. „Sie schaffen Sicherheit, indem sie einzelne Bereiche angesichts der allgegenwärtigen Bedrohung durch die Pandemie kontrollieren – zum Beispiel das Essen.“

In ihrer aktuellen Studie stellen Jugendforscher der Universitäten Hildesheim und Frankfurt am Main auch fest, dass der psychische Stress im zweiten Lockdown weiter zunimmt. Fast 46 Prozent der rund 7.000 befragten 15- bis 30-Jährigen stimmten der Aussage zu, dass sie Angst vor der Zukunft hätten. „Das hat mit viel Unsicherheit zu tun“, sagt die Soziologin Lea Heyer, die in der Forschungsgruppe arbeitet. „Depressionen, Essstörungen und Angst vor anderen – zum Beispiel vor den Eltern – sind nur einige der Nebenwirkungen der Pandemie.“

Derzeit gibt es keine Perspektive

Das Grundproblem ist der Kontaktverlust: „Fast alles findet jetzt online statt. Einige junge Leute verstehen sich damit nicht gut. Freundschaften sind zusammengebrochen und wichtige Möglichkeiten zum Ausgleich der Freizeit sind verschwunden “, sagt Lea Heyer. Jeder zu Hause sitzt alleine vor seinem Laptop auf seinem Handy oder PC, oft in seiner eigenen digitalen Welt. Der regelmäßige Szenenwechsel, der direkte Austausch, der gemeinsame Spaß und das Abhängen fehlen – „alle Voraussetzungen, um überhaupt eine Perspektive entwickeln zu können“, sagt Heyer. „Nicht nur in Bezug auf die berufliche Entwicklung: Jugendliche sind mehr als Schulkinder, Auszubildende oder Studenten.“

Der wissenschaftliche Mitarbeiter fand ein weiteres Ergebnis der Studie alarmierend: 60 Prozent der Befragten gaben an, dass die Politik nicht an ihren Anliegen interessiert sei. „Politiker haben die Pflicht, junge Menschen nach der Sperrung mit einer Vielzahl von außerschulischen Möglichkeiten zu unterstützen.“ Jugendzentren, Sportvereine, soziokulturelle Zentren, Musikschulen: „Diese Treffpunkte sind äußerst wichtig, um den Weg aus der erhöhten Einsamkeit zu finden und Perspektiven zu entwickeln.“ Dafür müssen sich jetzt die Politiker kümmern.

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